Volkskundliche Gesellschaften in Österreich
Von Margot Schindler
Die volkskundlichen Gesellschaften Österreichs bewegen sich auf einerBandbreite, die von wissenschaftlichen Vereinigungen im Umkreis vonUniversitäten, Museen oder sonstigen wissenschaftlichen Institutionen,bis hin zu Kulturinitiativen der sogenannten autonomen Szene am Randeoder außerhalb des institutionalisierten Kulturbetriebes reicht.Die ersten stehen unter dem Dach des Verbandes der wissenschaftlichenGesellschaften Österreichs( VWGÖ). Dies ist ein 1949 gegründeter Zu-sammenschluẞ wissenschaftlicher Vereine zum Zweck der ideellen undmateriellen Förderung ihrer Tätigkeit( nationale und internationale Kom-munikation, Publikationswesen, Öffentlichkeitsarbeit). Das 1989 erschie-nene jüngste Handbuch des Verbandes nennt 297 wissenschaftliche Ge-sellschaften als ordentliche Mitglieder, darunter zählen auch die wichtig-sten volkskundlichen Vereine( Verein für Volkskunde, Fachverband fürVolkskunde).'
Volkskundler bewegen sich aber auch auf dem Feld der autonomenKulturarbeit- der Terminus stammt aus den 80er Jahren- die in einem1990 gegründeten Dachverband IG KULTUR- Österreichische Interes-sensgemeinschaft für autonome Kulturarbeit zusammengefaßt ist. DieVertreter dieser Richtung verstehen ihre Arbeit als soziale Bewegung imGeiste der vielbeschworenen„ kulturellen Demokratie", konkretisiert als,, demokratische Kultur" des Verbundes von Kulturproduzenten,-distribu-toren und-konsumenten. Das 1991/92 unter dem bezeichnenden Titel„ Zwischen Subversion und Subvention" erschienene Verzeichnis dieser,, anderen" Kulturszene enthält etwa 400 solcher Kulturinitiativen in ganzÖsterreich, von denen ca. 30% eine breite Palette von Kulturarbeit imweitesten volkskundlichen Sinn anbieten( z.B. Waldviertel- Akademie,NÖ[ S. 61], Arge Region Kultur, NÖ[ S. 217], Labor Alltagskultur, Wien[ S. 189], Pro Vita Alpina, Tirol[ S. 217]). ²
Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich noch eine schier unübersehbareFülle von Heimatvereinigungen( Salzburger Heimatpflege, Volkstums-pflege im Burgenland, Heimatpflege für Kärnten etc.), Landsmannschaf-ten( Bundesländer- und Heimatvereine), Arbeitsgemeinschaften der Bil-dungs- und Heimatwerke, Trachten-, Volkstanz- und Volksliedvereine,
1 Wissenschaftliche Gesellschaften in Österreich. Handbuch 1989. Wien, Verband derwissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs, 1989, 307 S.
2 Wolfgang Freitag, Martin Pichelhofer, Beate Scholz( Hg.), Zwischen Subversion undSubvention. Kulturinitiativen in Österreich. Wien, Edition Umbruch, 1991/92, 263 S.