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Volkskunde : Institutionen in Österreich
Entstehung
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Entwicklungslinien im volkskundlichenMuseumswesen Österreichs

Von Franz Grieshofer

Die beiden Richtungen der Volkskunde

Günter Wiegelmann bringt in seiner Einführung in die Volkskunde einegraphische Übersicht, die die beiden Richtungen aufzeigt, aus denen dasFach Volkskunde erwächst( G. Wiegelmann u.a. 1977). Danach erfolgt dieBeschäftigung mit Volkskunde ab der Mitte des 18. Jahrhunderts einerseitsim Rahmen der Staatswissenschaft vorwiegend unter dem Titel Stati-stik", andererseits aus romantischen Antrieben im Rahmen der Germani-stik und der germanischen Altertumskunde. Als Vertreter der Staatswis-senschaft nennt Wiegelmann zuerst J. Möser und dann W. H. Riehl, dermit seinem im Jahr 1858 gehaltenen Vortrag Die Volkskunde als Wissen-schaft" sehr wesentlich zur Etablierung des Faches beigetragen hat. AlsProponenten der romantischen Richtung führt Wiegelmann unter anderem J.G. Herder, die Gebrüder Grimm und in ihrer Nachfolge W. Mannhardt an.Daß es sich dabei um eine gesamteuropäische Entwicklung handelt, zeigtuns wie Gabriela Kiliánová( 1992) jüngst dargelegt hat- die Fachge-schichte der Volkskunde in der Slowakei. Auch hier lassen sich die beidenRichtungen personalisieren, und zwar durch den Aufklärer Ján Čaplovičund die Romantiker Ján Kollár und Pavel J. Šafárik.

Neue Museen als Wiege der Volkskunde

Für die Entwicklung der Volkskunde ist unbedingt aber noch eine weitereLinie zu beachten, die ebenfalls an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhunderteinsetzt: das Entstehen neuer Museen. Auch sie erwachsen- parallel zurallgemeinen Entwicklung- aus zwei unterschiedlichen Geistesströmungen.Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts haben wir es nämlich mit dynastischenSammlungen zu tun, mit den diversen Schatzkammern, den Raritäten- undWunderkammern und mit den verschiedenen Münz- oder Naturalien- Ka-binetten, die allesamt nur dem privaten Interesse und Gebrauch dienten.Ähnliches trifft auf die klösterlichen Sammlungen zu. Erst mit der Öff-nung der Sammlungen für die Allgemeinheit am Ende des 18. Jahrhun-derts( Napoleon verfügt 1793 die Öffnung des Louvre, parallel dazu öffnetKaiser Josef II. die Galerie im Belvedere) beginnt die moderne Geschichteder Museen.