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Volkskunde : Institutionen in Österreich
Entstehung
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Der Kreis jener, die zur Erfüllung dieses Programms angetreten waren,war recht klein; trotz der Vergeßlichkeit des öffentlichen Gewissens solltees doch ein rundes Jahrzehnt dauern, bis die ehemaligen Vertreter einerder nationalsozialistischen Ideologie dienenden Volkskunde sich wiederdie Ränge fachlicher Anerkennung zurückerobert hatten. Mit ihrem zu-mindest zeitweiligen Rückzug verödete auch die institutionelle Land-schaft der Volkskunde, die während des Krieges in kurzer Schockblütegestanden war: Die Lehr- und Forschungsstelle für germanisch- deutscheVolkskunde" der Außenstelle Süd- Ost" des Ahnenerbes", die 1938 dieRäume und Bestände des 1932 von Hanns Koren installierten SalzburgerInstituts für religiöse Volkskunde usurpiert hatte, schloß ihre Pforten,'und auch die Wiener Forschungsstelle Mythenkunde" unter Karl Spießblieb Episode. Zeitgenössische Bestandsaufnahme konnte nach demKrieg nur das Volksliedwerk" als einschlägige außeruniversitäre For-schungsstätte notieren.73 Ihm zur Seite standen, altbewährt und nachkurzer Schließung meist in personeller Kontinuität in den einzelnen Bun-desländern wiederbegründet, die Heimatwerke, die die praktischeVolkstumsarbeit", wie sie das Volksliedwerk" auf volksmusikalischemGebiet bot ,,, durch Belebung von Sitte und Brauch ergänzten. 74 Wennalso die Bewußtseins- und Identitätslage im neuerstandenen Österreichgrundsätzlich von jener der Ersten Republik differieren mag,"75 ist dieProgrammatik ihrer Stabilisierung, wie man sieht, gleichgeblieben- ge-stützt von Versuchen, der angewandten Volkskunde die Weihe der Wis-senschaftlichkeit zu verleihen.76

71 Helmut Eberhart: Die Volkskunde an der Universität Salzburg. Ein Beitrag zurInstitutionengeschichte. In: Rotraut Acker- Sutter( Hg.): Heimat als Erbe und Auftrag.Festschrift für Kurt Conrad zum 65. Geburtstag. Salzburg 1984, S. 99- 119.72 Olaf Bockhorn: Wiener Volkskunde 1938- 1945. In: Helge Gerndt( Hg.): Volkskun-de und Nationalsozialismus. Referate und Diskussionen einer Tagung der DeutschenGesellschaft für Volkskunde München, 23. bis 25. Oktober 1986(= MünchnerBeiträge zur Volkskunde, Band 7). München 1987, S. 229- 237, hier S. 234; OlafBockhorn: Der Kampf um die Ostmark". Ein Beitrag zur Geschichte der national-sozialistischen Volkskunde in Österreich. In: Gernot Heiß u.a.( Hg.): WillfährigeWissenschaft. Die Universität Wien 1938-1945(= Österreichische Texte zur Ge-sellschaftskritik, Band 43). Wien 1989, S. 17- 38, hier S. 28f.

73 Schmidt: Volkskunde in Österreich 1945- 47( wie Anm. 23), S. 167f; siehe auchKlaus Beitl: Folklore Studies in Austria, 1945- 1965: An Activities Report. In:Journal of the Folklore Institute( Indiana University) V, 2/3( 1968), S. 216- 235.74 Hans Hönigsberger: Praktische Volkstumsarbeit. In: Volkslied- Volkstanz- Volksmu-sik, 49. Jg. 1948, S. 46.

75 Vgl. Stourzh: Vom Reich zur Republik( wie Anm. 21), v.a. S. 49ff.

76 Franz Lipp: Angewandte Volkskunde als Wissenschaft. In: Hanns Koren und LeopoldKretzenbacher( Hg.): Volk und Heimat. Festschrift für Viktor von Geramb. Graz-