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Sammlungen weitgehend als Lehrbehelfe herangezogen wurden, sodaẞdas eigentliche Museum etwas in den Hintergrund geriet. Durch dieAusgliederung und Dislozierung der Technischen Hochschule aus demJoanneumsverband wurde der Blick wieder auf das künstlerische undkulturhistorische Erbe des Landes gelenkt. Diese Neubesinnung fand 1883in einer großen kulturhistorischen Ausstellung zum Gedenken an die600jährige Zugehörigkeit der Steiermark zum Haus Habsburg einen sicht-baren Ausdruck. Auch für diese Ausstellung konnte Karl Lacher zurMitarbeit gewonnen werden, wobei ihm die Darstellung von Wohnräu-men, Möbeln, Hauseinrichtungen und Gerätschaften des täglichen Be-darfs oblag. Er hatte mit seiner Präsentation so großen Erfolg, daß derWunsch wach wurde, diese Objekte dem Joanneum zu erhalten. In derFolge kam es zur angesprochenen Reorganisation des Joanneums und zurAusarbeitung von Statuten für einen Museumsverein. Gleichzeitig wurdeProf. Lacher zum Kustos des Museums bestellt, der nun auch für diesenVerein eine rege Sammeltätigkeit entfaltete. 1884 erstellte er einen Instal-lationsplan für ein neues„ Culturhistorisches und Kunstgewerbe- Mu-seum", für das 1890 der Grundstein zu einem Neubau gelegt werdenkonnte. Fünf Jahre später wurde das neue Museum, zu dessen Direktor erinzwischen ernannt worden war, durch den Kaiser eröffnet. Der 2. Stockwar dabei gewissermaßen der Volkskunde vorbehalten. Hier fand mannämlich bäuerliche Wohnräume, Interieurs, Trachten, Schmuck und dieProdukte des Hausfleißes und des ländlichen Gewerbes. Es war somit überInitiative Karl Lachers innerhalb des„ Culturhistorischen und Kunstge-werbe- Museums" eine eigene Volkskundeabteilung geschaffen worden( Gawalowski 1911).
Mit Verwunderung ist daher zu vermerken, daß Viktor Geramb zwaranläßlich der 100- Jahr- Feier des Joanneums zu Recht die BedeutungErzherzog Johanns für die Volkskunde hervorhebt, bei der Gründung dessteirischen Volkskundemuseums 1913 die Vorarbeiten Karl Lachers aberübergeht. Dabei spricht Lacher etwa in seinem Beitrag über„ Die Hausin-dustrie und Volkskunst in Steiermark" dezidiert von der volkskundlichenbzw. ethnographischen Sammlung des neuen Museums. Es war nämlichvon Anfang an sein erklärtes Ziel, eine„ Darstellung des Volkslebens inallen seinen Gesellschaftsschichten" zu geben. Er schreibt:„ Alles, waszur Illustration des häuslichen Lebens und Schaffens der Bewohner vonSteiermark dienen konnte, wurde daher eifrigst aufgesammelt, sie in ihrergeschichtlichen Bedeutung für die Heimat, in ihrem Zusammenhange mitihrer ganzen Umgebung kennen zu lernen. Es mußten daher mühevolleWanderungen selbst in die entlegensten Bauernhöfe eine lange Reihe vonJahren hindurch zu gründlichen Lokalforschungen unternommen werden,