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Institutionalisierung der Volkskunde an der Wiener Universität. Mit demEnde der österreichischen Eigenstaatlichkeit war, analog zu den Vorgän-gen an deutschen Universitäten nach 1933, eine Förderung der universi-tären Volkskunde auch in Wien zu erwarten. Auf die Auseinandersetzun-gen der beiden konträren Lager der Volkskunde im Nationalsozialismus,der Volkskunde des Amtes Rosenberg und der Volkskunde im Bereicheder SS Heinrich Himmlers, kann hier nur verwiesen werden; in Wienobsiegte jedenfalls die Much- Schule, deren Anhänger der SS und derenWissenschaftsorganisation, dem„ Ahnenerbe", angehörten bzw. nahestan-den. Richard Wolfram, der 1938 die Leitung eines volkskundlichen Ah-nenerbe- Instituts in Salzburg übernommen hatte, erhielt 1939 auch eineauẞerplanmäßige Professur für germanisch- deutsche Volkskunde in Wienund gründete das gleichnamige Universitätsinstitut. Dem Institut zugewie-sen waren der unmittelbare Konkurrent Wolframs, Arthur Haberlandt, undRudolf Kriss. Ihm hatte man umgehend, weil als Gegner des Nationalso-zialismus eingestuft, die Lehrbefugnis entzogen; nach ihrer Wiederverlei-hung machte er von ihr keinen Gebrauch mehr. Kriss entging in der Folgenur knapp dem Tode, verbrachte zwei Jahre im Konzentrationslager undlas nach dem Kriege nicht mehr an der Wiener, sondern kurzfristig an derSalzburger Universität. Kriegsbedingt war es Wolfram kaum möglich, ander Universität in größerem Umfang einen Lehr- und Forschungsbetriebaufzubauen. Er selbst entfaltete jedoch eine rege außeruniversitäre For-schungstätigkeit, und zwar im Rahmen von SS- dominierten Einrichtun-gen: der Kulturkommissionen für Südtirol und die Gottschee sowie desGermanischen Wissenschaftseinsatzes in den von den Nazis besetztenStaaten Norwegen, Belgien und Niederlande. Diese Stationen fanden dannin vielen Publikationen Wolframs, die in der Nachkriegszeit und bis in die80er Jahre erschienen sind, ihren wissenschaftlichen Niederschlag. 1945wurde das Institut aufgelöst, die Professoren Wolfram und Haberlandtwurden ihrer Posten enthoben und gingen ihrer Lehrbefugnis verlustig.Diese wurde zwar, ebenso wie die Titel„ außerordentlicher Universitäts-professor", im Zuge der Entnazifizierung in den 50er Jahren neuerlichverliehen, doch wurde die Wiener Volkskunde durch eine andere Persongeprägt: den hauptberuflich am Museum für Volkskunde tätigen und 1946habilitierten Leopold Schmidt. Dessen Hoffnungen auf eine ausschlieẞ-lich universitäre Laufbahn schwanden, als Wolfram 1959 zum außeror-dentlichen Professor ad personam ernannt wurde und somit zum zweitenMale ein Dienstverhältnis mit der Universität einging. 1961 wurde derDienstposten systematisiert und auch das Institut für Volkskunde wieder-errichtet; 1963 folgte die Ernennung Wolframs zum Ordinarius. Als wis-senschaftlicher Leiter des 1953 über Antrag von Ernst Burgstaller und Karl