Druckschrift 
Volkskunde : Institutionen in Österreich
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

16

tumskunde auch die Germanische Sprachgeschichte umfaßte) in einemDienstverhältnis zur Universität, war als Ordinarius in der Lage, eineakademische ,, Fundierung" der Volkskunde zu bewirken. Sieht man voneiner Vorlesung über das Deutsche Haus" ab, so findet sich in MuchsLehrangebot kaum aus heutiger Sicht ,, Volkskundliches"; die Much'scheSicht war jedoch anders: für ihn war Deutsche Volkskunde" ein Teil derGermanischen Altertumskunde. In diesem Sinne vergab und betreute ervolkskundliche Dissertationen( erwähnt sei nur die 1913 gedruckt erschie-nene Studie von Viktor Waschnitius über Perht, Holda und verwandteGestalten, ein Thema im Schnittfeld germanischer Mythologie und re-zenter Erzähl- und Brauchforschung), solcherart betrieb und unterstützteer die Habilitationen seines Schülerkreises. Als erste ist Lily Weiser zuerwähnen, welche sich mit tatkräftiger Förderung ihres DoktorvatersMuch 1927 für Deutsche Volks- und Altertumskunde" habilitierte unddie auch als erste Vertreterin der Much'schen Männerbundschule bezeich-net werden kann, die- verkürzt ausgedrückt- davon ausging, daß germa-nische Männerbünde kultischer Art sich noch in männerbündischen Ver-einigungen späterer Zeit widerspiegelten. Dem Leitgedanken germani-scher Kontinuität bis in die Gegenwart waren außer Lily Weiser( die 1928den norwegischen Universitätsprofessor Aall heiratete und nicht mehr ander Universität Wien tätig war) noch Otto Höfler( 1932 mit dem erst 1934veröffentlichten wichtigsten Werk der germanophil- germanistischenSchule Rudolf Muchs, den Kultischen Geheimbünden der Germanen"habilitiert, allerdings ohne Erwähnung der in der Altertumskunde" oh-nehin beinhalteten Volkskunde), Richard Wolfram( Venia docendi, 1936ministeriell bestätigt: Deutsche Volkskunde und Neuskandinavistik) und,zumindest ideell, der Dialektologe Eberhard Kranzmayer( Lehrbefugnis:Geschichte der deutschen Sprache und Volkskunde) verpflichtet, desglei-chen der auf dem Gebiete des Kult- und Schauspiels forschende RobertStumpfl. Bei Much habilitierte sich überdies noch eine weitere Person, dieder germanistischen und männerbündisch orientierten Schule nicht zuzu-zählen ist: der aus Bayern stammende und 1928 bei Otto Maußer inMünchen promovierte Rudolf Kriss( 1903- 1973). Nach seiner Habilita-tion für, Deutsche Volkskunde" im Jahre 1933 begann Kriss, Begründeroder zumindest Mitbegründer einer wissenschaftlich fundierten religiö-sen Volkskunde", seine reichhaltige einschlägige Sammlung nach Wienzu transferieren. Ab 1936 war sie in einem Trakt der Hofburg, mitbetreutvon Leopold Schmidt, öffentlich zugänglich.

Trotz der qualifizierten Lehrenden auf dem Gebiete der Volkskunde( zuden Genannten kam noch der Germanist Anton Pfalz, der einen Lehrauf-trag für Deutsche Volkskunde" wahrnahm) erfolgte vor 1938 keine