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Wo an der Haut tatauiert sich der Europäer?
gegensätzliche oder doch verschiedene psychologische Einstellungder modernen europäischen Welt zu diesem Brauche gegenüber derAuffassung unkultivierter, ursprünglicher Völkerstämme andererErdteile.
Am häufigsten sind die Arme und besonders die Vorderarme Sitz solcherHautzeichen beim Europäer, alsdann dient die Brust, überhaupt die Vorderfläche desStamms vielfach dem Zweck der Tatauierung; an dritter Stelle dürften nach unserenErfahrungen die Vorderflächen der Oberschenkel und alsdann die der Unterschenkelstehen. Selten hat man Tatauierung an der Körperrückfläche: Rücken, Gesäß, Beuge-flächen der Beine, zu erwarten eine psychologisch interessante Tatsache, welche aufdas Gefallen, das der primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Mensch an seiner Körperzeichnung findet, ein be-merkenswertes Schlaglicht wirft.
Während die Füße außer bei ganz ausgedehnten Tatauierungen kaum einmalmit solchen Hautzeichen versehen werden, sieht man doch nicht gar so selten an denHänden entsprechende Merkmale. Auf dem Handrücken, insbesondere in dem Zwischen-raum zwischen Daumen und viertem Finger wird die Haut verhältnismäßig häufigpunktiert, wenn nicht um das proximale Ende des ersten Fingergliedes ringartig einZeichen eingestochen wird. Handflächen und Fußsohlen sind wohl fast nie tatauiert( sieheEinleitung S. 7). Zu großen Seltenheiten zählt endlich Gesichtstatauierung. Ein Kreuz,ein Punkt, ein Schwert, ein Dolch wurde gelegentlich von uns, meist in der Glabellar-region dargestellt, gefunden, darunter einmal bei einer Dirne, sonst waren nur MännerTräger von Gesichtszeichnung. ARNING berichtet über Ohrläppchentatauierung.
Andererseits erwähnt( siehe S. 18) wurde bereits als Ausnahme von dieser Regeldie Stirntatauierung, welche römisch- katholische Frauen Bosniens und der Herze-gowina als Bekenntniszeichen erwerben. Bekannt ist die Zwangstatauierung im Gesicht,wie sie früher in Rußland bei den nach Sibirien Verbannten vorgenommen wurde.
Aus früheren Zeiten wissen wir, daß den gefangenen Thebanern des Perser-königs Name und Wappen auf die Stirn tatauiert wurden, den kriegsgefangenenAthenern Schiffshinterteile( JOEST). Auch sonst spielte die Straftatauierung, wohl vor-nehmlich im Gesicht angebracht, von den Zeiten des Altertums bis in die Neuzeithinein eine immerhin nicht ganz unbedeutende Rolle.
Tatauierungen des Gesäßes
an und für sich selten genug entbehrenoft nicht der Komik, wenn z. B. das Katze- und Mausspiel unter Einbeziehung derAnalöffnung illustriert werden soll.
An den Genitalien werden Hautpunkturen fast durchweg als Zeichen be-sonderer minderwertiger Veranlagung angesprochen, sofern sie nicht Teile einer aus gewerb-lichen Gründen die ganze Körperdecke überziehenden Tatauierung sind. Nach unseren Er-ahrungen sind sie nicht eben gar zu häufig und sie mögen wohl tatsächlich in der