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Histologie.
Haut eingeimpft werden. So beobachteten wir selbst in Leipzig einen 15jährigenJüngling, welcher am Vorderarm zwei Freundschaftshände mit einem Strahlenkranz inder Mitte sich eintatauieren ließ. Da, wo die Hände ineinandergriffen, erwuchs einigeWochen nach Vornahme der Punktierung, die ein an frischer Syphilis erkrankter Be-kannter ausführte, dem jungen Manne ein primäres syphilitisches Geschwür mit allenüblen Folgeerscheinungen. Weniger belangvoll ist die übrigens nicht allgemein aner-kannte Beobachtung, daß tatauierte Stellen sich in einem dauernden Reizzustande befinden,welcher dem Ausbruche späterer Erscheinungen von Syphilis ein günstiges Feld bietet. Hin-wiederum ist dabei interessant festzustellen, daß besonders die blau tatauierten Stellen sichin dieser Weise überempfindlich erweisen, während Zinnobertatauierungen einen gewissenSchutz der Haut verleihen sollen, weil der Quecksilbergehalt dieses Farbstoffes der An-siedlung der Spirochäten entgegenwirkt.[ Ueber Zinnoberreizung siehe unter„ Histologie"].Auch andere Infektionskrankheiten können naturgemäß durch einen krankenTatauierer auf dem Wege der Speicheleinimpfung übertragen werden, wenn derartigesauch in praxi nicht gerade häufig sich zu ereignen scheint.
Das Auftreten von gewöhnlichen Warzen nach Tatauierung ist gelegentlich be-obachtet( OPPENHEIM, WALKERS).
Histologie.
Wenn man frisch tatauierte Hautstellen wenige Tage nach der Ausführung unter-sucht, so sieht man bereits makroskopisch, daß sich dieselben im Zustande der Ent-zündung befinden; sie sind aufgeschwollen, stark gerötet, heiß und empfindlich. DieserZustand pflegt nur etwa eine Woche anzuhalten und dann ist die Entzündung abgeklungen.Untersuchungsmaterial zu histologischen Präparaten ist in diesem Stadium naturgemäßschwer erhältlich und es ist uns nicht bekannt, daß darüber je etwas mitgeteilt ist.
In der Regel werden nur ältere Tatauierungen der Untersuchung zugänglich sein,bei denen Wochen, Monate oder meist viele Jahre seit Ausführung der Hautpunkturverflossen sind; nur über solche liegen denn auch einige Mitteilungen mikroskopischerBefunde in der Literatur vor. Sowohl Rot- wie Schwarztatauierungen sind der Gegen-stand histologischer Betrachtung geworden und im großen und ganzen sind die hiergewonnenen Ergebnisse übereinstimmend.
Gemäß der technischen Ausführung der Hautpunkturen ist es verständlich, daßdie subepidermoidalen Anteile der Haut Sitz der Farbstoffe sind. Es ist ja geradezudas Erfordernis der gelungenen Tatauierung, daß in die Cutis die färberischenSubstanzen abgelagert werden, während bei zu oberflächlicher Vornahme der Haut-