Ueber Beseitigung von Tatauierungen.
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Jegliches Wohlgefallen an der Tatauierung scheint aber zeitlich begrenzt zusein. Mit körperlicher und besonders geistiger Ausreifung und mit dem Eintritt in eingeruhiges, nicht mehr von Wanderabenteuern umkleidetes Berufsleben und endlichmit höherer Zivilisation erlöschen Freude und Interesse an der Hautpunktur, und esmacht sich das entgegengesetzte Bestreben geltend, die tatauierten Hautstellen möglichstzu verdecken.
Ueber Beseitigung von Tatauierungen.
Inwieweit ist es möglich, Tatauierungen so zu entfernen, daß möglichst keinesichtbaren Spuren auf den früheren Bestand hinweisen? Diese Frage wird häufig auf-geworfen namentlich von denen, welche früher oder später Reue über ihre Tatau-ierungen empfinden und denen der Dauerbestand derselben aus diesen oder jenenGründen peinlich ist.
In Laienkreisen und hier sind es wiederum namentlich die Tatauierungs-künstler selbst wie auch von seiten der Aerzte hat man zu diesem Problem Stellungnehmen müssen und hat sich teils roh empirisch, teils auf wissenschaftlicher Grundlagebemüht, hinsichtlich der Entfernung von Tatauierungen erfolgreiche befriedigende Er-gebnisse zu erzielen.
Es ist klar, daß mit einer Beseitigung der oberflächlichen Schichten der Hautim allgemeinen kein Erfolg zu erreichen ist, denn die Farbstoffkörner liegen in derganzen Breite der tieferen Hautbestandteile: der Lederhaut und selbst in dem Unter-hautzellgewebe.
Demgemäß ist eine Entfernung, ohne einen tieferen Substanzverlust zu setzen,zunächst nicht recht denkbar; das Ergebnis besteht dann in Narbenbildung. Die sollaber gerade vermieden werden, da sie ja entweder die ursprüngliche Form der Tatau-ierung erkennen lassen oder jedenfalls doch einen erheblichen kosmetischen Defekt bedingenwird. Naturgemäß kommt es sowohl auf den Sitz als ganz besonders auf die Ausbreitungder Tatauierung dabei an. Entfernung wird ja vornehmlich nur dann erwünscht sein,wenn an freigetragenen oder öfter exponierten Hautstellen die Hautpunktur sich findet.Wenn in schmaler Form und überhaupt in kleiner Ausbreitung eine Tatauierung vor-handen ist, dann kann eine Exzision der ganzen Figur mit nachfolgender exakter Nahtimmerhin einen ganz befriedigenden Erfolg haben; meist aber laden ja die Darstellungenweiter aus und dann sind mehrere Hautlappen herauszuschneiden und zu vernähen:dadurch kommen nun aber entsprechend zahlreiche Narben schließlich zustande, welcheschon ein weniger erwünschtes Aussehen bieten.