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Das Tatauierungswesen im heutigen Europa
Entstehung
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Was tatauiert sich der Europäer?

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Regel bei nicht gerade ethisch und intellektuell vollwertigen Individuen angetroffenwerden. Uebrigens sind die Darstellungen am Genitale keineswegs immer besonderserotischer Natur, wenigstens nicht beim Manne. Für die Beurteilung der Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber mitGenitaltatauierungen darf man sich getrost auf den LOMBROSOSchen Standpunkt stellen.

Tatauierung der Kopfhaut kann beinahe als ein Unikum in der Welt-geschichte betrachtet werden, über das nach JOEST HERODOT berichtet. Dieser Ge-schichtsschreiber berichtet nämlich, daß ein Bote von Susa nach Milet mit heimlicherBotschaft gesandt wurde, welche nach erfolgter Rasur in seine Kopfhaut eintatauiertwurde; sobald das Haar genügend lang nachgewachsen war, wurde der Bote abgesandt.Doch war auch beim Albanesen Alexandrinos( S. 7) der behaarte Kopf mit Haut-punktur geschmückt.

Erst in neuerer Zeit ist wiederum eine Kopfhauttatauierung beschrieben worden,und zwar von dem leider früh verstorbenen Anatomen und Anthropologen WolfgangHausschild. Bei einem Artisten, welcher 26- jährig an Lungenphthise verstarb, wardas Hinterhaupt bis zur Scheitelhöhe und beide Schläfenseiten mit einer Blau- Rot-Tatauierung versehen, ohne daß sonst am Körper irgendwelche weitere Hautpunkturvorgenommen war. Die eigenartige Wahl des Platzes für die Tatauierung erklärte sichin dem Falle vermutlich daraus, daß zwecks Gelderwerbs der Betreffende sich zurSchau stellte.

Was tatauiert sich der Europäer?

Es wäre zu erwarten, daß aus der Betrachtung des Gegenständlichen derTatauierungen am ehesten ein Rückschluß auf die Psychologie dieses alten Gebrauchesmöglich ist. In der Tat kann man an den Bildern und Vorlagen der Tatauierten undder Tatauierer nicht vorbeigehen, wenn man das innere Wesen der Haut-punktierungen ergründen will. Was wird nun nach dieser Richtung hin heuteverlangt und was wird angeboten? Nachfrage und Angebot decken sich ja hier be-sonders auch deshalb, weil oft die Ausführenden Träger ausgedehnteren Hautschmucksdieser Art sind, wobei manchmal der letztere von eigener Hand stammt.

Man hat versucht, die heutigen Vorlagen zu Tatauierungen unter bestimmten Ge-sichtspunkten zu betrachten und man hat demgemäß verschiedene Gruppierungenbezüglich der Darstellungen auf der Haut vorgenommen, deren Berechtigung sichjedem Beobachter solcher Hautmerkmale ohne weiteres aufdrängt.