Abgestaubt
Von Einnahmen und AustrittenNeue Erkenntnisse zum Rücktrittvon Wilhelm Hein
Wilhelm Hein( 1861-1903) war Mitinitiator,Mitbegründer und Geschäftsführer des 1894gegründeten Vereins für österreichischeVolkskunde sowie Vizedirektor des Museumsfür österreichische Volkskunde, welches am1.5.1897 im Börsegebäude am Schottenringeröffnet worden war. Aber bereits im Be-richt der Monatsversammlung des Vereinsvom 15.12.1897 ist die„ Resignation", also derRücktritt, des Herrn Dr. W. Hein" offiziellfestgehalten. Als Gründe dafür wurden bis-her Meinungsverschiedenheiten bezüglichSammelstrategien und Finanzierungsfragenmit Michael Haberlandt, dem Schriftführerdes Vereins und Direktor des Museums,angenommen.
Die Veranlassung für den Rücktrittlässt sich nun durch ein im Archiv des Volks-kundemuseums aufbewahrtes Geschäfts-buch des Museums genauer rekonstruieren,das alle durch die dreiköpfige Direktion( Haberlandt, Hein und Franz Xaver Grösslals Verwalter des Museums) besproche-nen Geschäftsfälle zwischen 17.12.1896 und11.12.1897 festhält.
Das ganze Geschäftsjahr 1897 wardurch finanzielle Engpässe geprägt. Laufenderfolgten Eintragungen zu Subventions-anträgen, Ansuchen um Ratenzahlungen,Privatdarlehen von Vereinsmitgliedern oderder Implementierung neuer Einnahme-quellen wie eine Lotterie. Nachdem wäh-rend der urlaubsbedingten Abwesenheitvon Haberlandt mehrere Geschäftspartnerauf die Bezahlung ausstehender Ratengedrängt hatten, beantragte Hein am 17.8.,dass Direktionssitzungen nur mehr in An-wesenheit aller drei Mitglieder stattfinden
26
53. Jahrgang
dürfen, vermutlich um in Haftungsfragenabgesichert zu sein. Zwei Tage später be-richtete Haberlandt über die Beschaffungneuer Finanzmittel durch Subventions-anträge. Anfang Oktober kam es jedochzum Rückschlag. Julius Botstiber, seit dergemeinsamen Schulzeit mit Hein befreun-det, legte am 2.10. seine Funktion als stell-vertretender Geschäftsführer des Vereinsund seine Stelle als Bibliothekar nieder.Am 7.10. legte auch Hein seine Funktionenmit der Begründung zurück,„ daß er mitden Herrn Dr. Haberlandt und Herrn Größlohne Herrn Botstiber nicht die Geschäftefortzuführen in der Lage ist." Haberlandterwirkte eine vorläufige Rücknahme dieserEntscheidung. Jedoch berichtete er kurzdarauf, am 23.10., dass der BrauindustrielleAnton Dreher ab 1.11.1897 ein Darlehen über15000 Gulden zu 4% Verzinsung gewährt.Der Schuldschein ist mit 1. November 1897datiert und trägt die Unterschriften vonVereinspräsident Joseph Alexander Freiherrvon Helfert, Haberlandt und Grössl. DasGeschäftsbuch gibt in dem Eintrag vom3.11. darüber Auskunft, dass Hein seineUnterschrift unter die Schuldurkundeverweigerte, mit der Begründung, derenDarlegung er dem Ausschuß zu gebensich vorbehält." Der Ausschuss war einGremium, das in regelmäßig abgehaltenenSitzungen gemeinsam mit dem Vorstandin Vereinsangelegenheiten initiativ undoperativ tätig war.
Am 4.11. hielt Haberlandt in einer vonHein und Grössl nicht abgezeichnetenStellungnahme im Geschäftsbuch fest:,, Die Directionssitzung am 3/10 wurdeinfolge des feindseligen Auftretens desHerrn Dr. Hein von Dr. Haberlandt mitder Erklärung abgebrochen, daß 1. derAusschuß die Direction zur sachlichenArbeit und nicht zu persönlichen Angriffen