Heft 
54 (2019) 4
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54. Jahrgang

Neuigkeiten aus derProvenienzforschung

Am 14. Juni 2019 entschied der Kunstrück-gabebeirat im Sinne des Kunstrückgabege-setzes( BGBI. I Nr. 181/1998) auf Restitutionvon 15 Objekten aus dem ehemaligenEigentum von Wilhelm Hernfeld. Als Begrün-dung hielt der Beirat fest: Der Verkaufder Objekte steht offensichtlich im engenZusammenhang mit der verfolgungsbeding-ten Auflösung des Geschäftes von WilhelmHernfeld. Es kann daher nach Ansicht desBeirates kein Zweifel bestehen, dass dieseVeräußerung als nichtiges Rechtsgeschäftzu bewerten ist."

Wilhelm Hernfeld( 1858-1940) führte seit1896 eine Antiquitätenhandlung in Wien 1,Wollzeile 9, seit 1908 hatte das Museumwiederholt Objekte von ihm angekauft.Die zu restituierenden Objekte wurden imFebruar 1939 auf Betreiben des damali-gen Direktors des ÖMV, Arthur Haberlandt( 1889-1964), erworben: Er hatte an dasBundesdenkmalamt geschrieben, um diesesicherstellen zu lassen. Arthur Haberlandtbetonte die Dringlichkeit seines Anliegens,da ,, dem jüdischen Geschäft seit Novemberjede Verkaufstätigkeit untersagt ist." Erwusste also, dass Wilhelm Hernfeld ab demNovember 1938 aufgrund der nationalsozia-listischen Verordnung zur Ausschaltungder Juden aus dem deutschen Wirtschafts-leben( RGBI. I 1938, S. 1580) sein Geschäftnicht mehr weiterführen konnte.

Wilhelm Hernfeld war auch von weiterenVerfolgungsmaßnahmen des NS- Regimesbetroffen: Mit 1. März 1939 musste erseine Gewerbeberechtigung zurücklegen,sein Geschäftslokal wurde gekündigt, diewenigen noch verbliebenen Waren wurdenverkauft. Mit dem Erlös daraus und seinen

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verbliebenen Ersparnissen musste er dieso genannte Judenvermögensabgabe,seine Einkommenssteuer und Spesen fürdie Abwicklung der Geschäftsauflösungzahlen. Diese wurde von Otto Faltis( 1888-1974) durchgeführt, der, beauftragt vonder NS- Vermögensverkehrsstelle Wien, inden Jahren 1939 und 1941 für die Auflösungvon insgesamt 54 Kunst- und Antiquitä-tenhandlungen von Jüdinnen und Judenverantwortlich war.

Wilhelm Hernfeld verstarb am 5. März1940 im Alter von 82 Jahren im Spital derIsraelitischen Kultusgemeinde in Wien.Einem seiner Brüder gelang die Flucht indie Schweiz, eine seiner Schwestern wurde1942 von Wien ins Ghetto Theresienstadtund von dort in das VernichtungslagerTreblinka deportiert. Ihr Todesdatum istunbekannt. Derzeit versucht die Israeliti-sche Kultusgemeinde Wien, Erbinnen undErben von Wilhelm Hernfeld zu finden.

Claudia Spring,Provenienzforschung