1/2019
Ausstellungen
,, Alle antreten! Es wird geknipst!"Private Fotografie in Österreich1930-1950
Bis 17.2.2019
Acht Alben aus den Jahren zwischen 1932und etwa 1955 überliefern Fragmente desLebens von Ferry S.. Ausgiebig fotogra-fiert er die Zimmer, in denen er lebt, seineEltern, die er besucht, die Frauen, mitdenen er reist; nicht selten gibt er ihnendie Kamera, so dass auch von ihm vieleBilder in den Alben sind. Der Frühling 1945muss besonders schön gewesen sein- mansieht Ferry mit seiner Frau im Prater, sie mitSonnenbrille, er im langen Mantel, beidemit elegantem Hut. Es ist schwer vorstellbar,dass der Krieg und sein Ende sie unberührtgelassen hat. Aber sie fotografierten, als obsie sich daran nicht erinnern wollten.
Die private Fotografie erweist sich damitgerade nicht als ein Medium der umfassen-den Erinnerung. Im Akt des Fotografierenswird die zukünftige Betrachtung vorwegge-nommen; was dann erscheinen soll, ist eingutes Leben. Mit Hilfe der privaten Fotogra-fie lässt sich vorausschauend und im Rück-blick die Kontinuität der eigenen Existenz inund auch gegen die Geschichte herstellenund verteidigen, über alle historischenBrüche, alle Traumata, alle Schuld hinweg.
Mit der Ausstellung„ Alle antreten! Eswird geknipst!" wird zum ersten Mal eingrößerer Bestand der privaten Fotografiein Österreich eingehend und öffentlichuntersucht. Vorbereitend haben die beidenKuratoren Herbert Justnik und FriedrichTietjen hunderte von Alben und tausendevon Fotografien gesichtet; zusätzlich wur-den im Rahmen von Albensichtungen mehrals 30 Gespräche mit Besitzer* innen von
Alben geführt und aufgezeichnet. Ziel wares dabei, die private Fotografie als Gewebevon Praktiken zu verstehen, die Bilder her-vorbringen, zirkulieren lassen und zu sehengeben. Dass die Anlässe und Motive vielerBilder außerordentlich ähnlich sind unddass sie sich über die Zeit kaum verändern,ist dabei Ausgangspunkt für Forschungen,denen die Ausstellung Raum geben wird
Während der Laufzeit werden Kolleg in-nen aus dem Aus- und Inland die Beständean Arbeitsplätzen im Ausstellungsraum ein-gehender untersuchen; diese Arbeitsplätzestehen allen Interessierten zur Verfügung,die entweder vorhandene Bestände unter-suchen oder auch ihre eigenen Alben mitanderen vergleichen wollen. Die Ergebnissedieser Tätigkeiten werden unmittelbar indie Ausstellung eingespeist, deren Displaysich damit dynamisch verändert.
Im Rahmen der Ausstellungen finden regelmäßigFührungen mit den AusstellungsmacherInnen sowiedie Fotogespräche„ Reden wir über Ihre Bilder!" statt.
Forschungsausstellung Alle antreten! Es wirdgeknipst!". Foto: kollektiv fischka/ kramarVolkskundemuseum Wien
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