Schaufenster
54. Jahrgang
Stadt- Land- Kind
Wie wird aus einemForschungsprojekteine Ausstellung?
Das Citizen- Science- Projekt„ Stadt- Land-Kind untersucht gesellschaftliche Ent-würfe und( Zukunfts-) Versprechen, die inhistorischen und rezenten Fotografien vonländlichen Szenerien vermittelt werden.Als Ausgangspunkt dient die Fotosammlungdes Volkskundemuseum Wien, die ange-reichert mit Bildern aus Werbung, privatenund regionalen Archiven- Anlass zur kriti-schen Reflexion und Transformation kultu-rell konstruierter Sehnsuchtsmotive bietet.Durch die Mitarbeit von über 100 CitizenScientists fanden im bisherigen Forschungs-prozess zwölf intergenerative Bildgesprächestatt, die in über 20 Stunden Videomaterialdokumentiert sind. Darüber hinaus sind imProjektverlauf über 170 neue Fotografienvom Leben am Land sowie 50 neue For-schungspostkarten im Austausch mit denbeteiligten SchülerInnen entstanden.
Die Materialien, Prozesse und Ergebnissedieses Forschungsprojektes sollen 2019 imVolkskundemuseum Wien der Öffentlichkeitzugänglich und nachvollziehbar gemachtwerden. Wie aber können solche- in einemForschungsprojekt entstandenen- Arte-fakte zu einer Ausstellung werden? Nacheinem einleitenden Vortrag zu Ausstellenund Vermitteln als wechselseitige Bestand-teile einer zeitgenössischer Museumsarbeitvon Angeli Sachs( Zürcher Hochschule derKünste, Museum für Gestaltung Zürich)wurde diese Frage in einem kuratorischenWorkshop am 16. November 2018 an derAkademie der bildenden Künste Wien erör-tert. Vor dem gedanklichen Hintergrund der
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Möglichkeiten von Partizipation und demÖffnen neuer Denk- und Handlungsräumeim Ausstellungssetting entwarfen Studie-rende der am Projekt beteiligten WienerUniversitäten Skizzen einer möglichenAusstellung.
Ziel ist das Herstellen eines politischenMomentums angesichts der Überzeugung,dass Museen Orte des Wissensaustauschssowie der stets neu zu verhandelndenVerflechtung von Geschichte und Gegen-wart sind. Eine dahingehende Entscheidungist, die Ausstellung als Forschungssettingzu begreifen, in der Multiperspektivitätgezeigt wie auch gleichzeitig in der aktivenAuseinandersetzung mit Bild- und Objekt-welten hergestellt wird. Das gemeinsameBetrachten, Beschreiben und Besprechensoll in der Ausstellung mit dem Arbeitstitel„ Retropia besonders befördert werden-zu sehen ab 5. April 2019 im Volkskundemu-seum Wien.
Laura Commare, Martina Fineder,Paul Reiter, Luise Reitstätter,Projekt Stadt- Land- Kind
„ Stadt- Land- Kind ist ein Forschungsprojekt der Akade-mie der bildenden Künste Wien in Kooperation mit demLabor für empirische Bildwissenschaft der UniversitätWien, dem Volkskundemuseum Wien, dem WerkraumBregenzerwald, der VS Rastenfeld, der NMS Kals amGroßglockner und der Werkraumschule Bregenzerwald.Das Projekt wird im Rahmen des FörderprogrammsSparkling Science durchgeführt und vom Bundesministe-rium für Bildung, Wissenschaft und Forschung gefördert.