Heft 
54 (2019) 3
Seite
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Das Museum als USEum

54. Jahrgang

,, Der Ort war eigentlichein Mitspieler"

Die Truppe von Fake Reportsim Gespräch über Theater undTheaterspielen im Museum

Ihr seid zum zweiten Mal mit einem Thea-terstück im Volkskundemuseum. 2018 mit,, Hamletmaschine", 2019 mit Fake Re-ports". Woher kam die Idee, das Museumals Theaterbühne zu nutzen?

Stephan Engelhardt: Das geht auf Andreazurück. Ich hatte die Idee, an einem nicht-schulischen Ort zu spielen, einem Ort,der nicht für das Theater vorgesehen ist.Vorher stand bereits die Stückauswahl fest,die Hamletmaschine stand damals auf demSpielplan im Burgtheater. Wir haben dannangefragt, ob es für das Museum denkbarwäre, hier zu spielen.

Andrea Hubin: Ich habe schon mehrfachim Volkskundemuseum gearbeitet undwusste, dass der Ort empfänglich ist, darü-ber nachzudenken, ob auch der Museums-raum ein Bühnenraum oder ein Raumfür Performances sein könnte. Es bestehthier eine Tradition, Diskursveranstaltungenexperimentell auszurichten, Veranstaltun-gen mit speziellen Arten der Interaktionzwischen Publikum und RednerInnen oderAusstellerInnen, auch Theaterprojektewaren schon im Haus.

Stephan: Andrea sagte, es gebe amVolkskundemuseum eine performativeKunstvermittlung. Das war für mich wie einZauberwort. Ich hatte plötzlich eine klareIdee, wie so etwas gehen könnte. Für dasdiesjährige Stück haben wir zuerst ein hal-bes Jahr in der Schule gemeinsam den Texterarbeitet, damit die Jugendlichen einenZugang zu ihm finden. Wir hatten das große

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Glück, dass wir sehr früh mit den Probenim Museum beginnen konnten. Denn wennman als Theaterpädagoge ein solches Pro-jekt startet, tritt man gegen eine bestimmteVorstellung von Theater an: aufgeklebteBärte, schöne Kostüme und Text aufsagen.Wir erarbeiten uns dann im Laufe des Pro-zesses ein anderes Verständnis von Theaterund das ist für viele Beteiligte Neuland. Dagilt es, viel zu erproben, auszuprobierenund zu erspüren, was Theater alles kann.Der Ort, in diesem Fall das Museum, spieltbei dem Kennenlernen des Neuen einewichtige Rolle.

Bei uns herrscht vollfunktionierenderMuseumsbetrieb. BesucherInnen sind inden Ausstellungen und nutzen die Biblio-thek, es gibt ein Café, Museumsmitarbei-terInnen stehen am Kopierer, sitzen undgehen durch die Räume, Gruppen undSchulklassen sind im Museum unterwegs.Wie ist es für Euch gewesen, als Theater-gruppe ins Museum zu kommen?

Noah: Ich fand es immer sehr spannend,die Blicke der Leute zu sehen. Die meistensind kurz stehen geblieben, haben sichgewundert, was passiert. Und dann habensie zugeschaut. Die Museumsmitarbeiterin-nen und-mitarbeiter sind uns sehr herzlichbegegnet.

Stephan: Ich empfinde die Arbeitssituationim Museum als entspannt und angenehm,es ist ein geschützter Raum. Wir treffenhier auf ein kulturtrainiertes und kulturin-teressiertes Publikum. Es ist wirklich nichtselbstverständlich, dass eine Direktion undein Museumsteam ein solches Projekt tra-gen. Das sagt viel aus über das Haus.Andrea: Es ist nicht nur ein öffentlicher,sondern auch ein institutioneller Raum.Es ist ein Raum der regulierten Vielfalt,der unterstützend wirkt und an dem unter-