PERSONALIA
Maria Diwold- Berndt, die Transkribier- Rakete
Maria Diwold- Berndt
Volkskundemuseum Wien
Maria Diwold- Berndt stieß im Jahr 2011 zum Verein für Volks-kunde. Pensioniert und auf der Suche nach einer Beschäfti-gung, die ihr Freude bereitet, wurde sie von ihrer FreundinMaria- Luise Stefanics, bereits seit 2005 Vereinsmitglied, auf dieMöglichkeit, im Volkskundemuseum Wien mitzuarbeiten, aufmerk-sam gemacht. Frau Stefanics meldete Frau Diwold- Berndt kurzer-hand zum Schneeball- Lehrgang 2011/2012 an, den die beidenerfolgreich absolvierten.
Der erste Tätigkeitsbereich führte sie in die Bibliothek, wo sie bisEnde 2012 an der Erfassung der Daten für die ÖsterreichischeVolkskundliche Bibliographie( ÖVB) mitarbeitete. Im März 2013war Maria Diwold- Berndt mit Maria- Luise Stefanics, Ilse Raubekund Gertraud Tumler Gründungsmitglied der Arbeitsgruppe,, Archiv Aktiv", die sich der Transkription der Vereinsprotokollevon 1894 bis 1946 widmete und Frau Diwold- Berndt ihre Leiden-schaft für das Transkribieren handschriftlicher Texte entdeckenließ.
Es folgten die Abschriften mehrerer Briefwechsel HugoSchuchardts im Rahmen des Projekts„ SachenWörterWörterSa-chen", der Korrespondenz von und um Rudolf Trebitsch sowie derim Museumsarchiv vorliegenden Schriftstücke von Viktor Geramb.Maria Diwold- Berndt entwickelte eine wahre Meisterschaft imEntziffern von schwer zu lesenden Kurrenthandschriften, gemein-hin Klaue" genannt. Sie vergleicht diese Arbeit mit dem Löseneines Rätsels und beschreibt den Suchtfaktor ähnlich dem einesSudokus. Das Vergnügliche am Transkribieren ist für sie das Gefühl,durch kleine Gucklöcher in frühere Zeiten schauen zu können,die so anders und gleichzeitig überhaupt nicht anders als unsereGegenwart sind. So wird über Intrigen im akademischen Betriebgeschmunzelt oder über die Armut nach dem Ersten Weltkrieggestaunt, als das Museum mangels Heizmaterials viele Schließta-ge hatte und die Angestellten wegen der galoppierenden Inflati-on Hungerlöhne gezahlt bekamen. Einen weiteren vergnüglichenReiz bereitet ihr der Umkehrschub des Unterschleifs- das wort-wörtliche Abschreiben. Einst von ihr als Lehrerin unterbunden, istes auf einmal eine vom Museum geforderte Arbeit, für die sie Loberntet und die, veröffentlicht im Rahmen der Onlinesammlung,von großem Nutzen für Interessierte ist.
52. Jahrgang