Heft 
52 (2017) 3
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SCHAUFENSTER

Museum auf der Flucht

Flucht erforschen und sammeln- ist das möglich?

In einem 1- jährigen Pilotprojekt legt das Volks-kundemuseum Wien ab April 2017 die Grund-lagen für einen zukünftigen Forschungs-,Sammlungs-, Ausstellungs- und Vermittlungs-schwerpunkt zum Thema Flucht, Migration undAnkommen.

Flucht und Migration stellen eine der größtenHerausforderungen für vielfach als post- demo-kratisch und post- staatlich beschriebene Gesell-schaften des 21. Jahrhunderts dar. Auch dieEuropäische Ethnologie ist als wissenschaftlicheDisziplin wie als fachbezogenes Museum gefor-dert: Wie kann die Wissenschaft den neuenWeltlosen", einer riesigen Gruppe von nurnoch als Überschüssige" regierten Menschen,eine Stimme verleihen? Greifen bewährte ethno-

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methodologische Ansätze, Forschungsstrate-gien und Weisen der Wissensproduktion auchin der Analyse dieser Entwicklungen, die mitglobalen Kriegen, dem Niedergang staatlicherSouveränität im mittleren Osten wie mitten inEuropa ebenso verbunden sind, wie mit Klima-wandel und dem Kampf um Ressourcen? Odererfordern die geopolitischen Bruchlinien und dieidentitätspolitischen Kampfzonen der Gegen-wart eine neue, nomadische oder diasporischeEthnologie und eine partizipative ethnologischeMuseologie des 21. Jahrhunderts?

Eine Ethnologie für das 21. Jahrhundert?Das Jahr 2015 stellt hinsichtlich des ThemasFlucht und Migration einen Wendepunkt undeinen Scheideweg für Europa dar. An die 90.000Menschen sind als Opfer von Krieg, Misshand-lung, Verfolgung und ökonomischen Zusammen-brüchen in Österreich gestrandet. Ihren Spurenwidmet sich das Pilotprojekt Museum auf derFlucht" Dafür fragt es zum einen gemeinsam

fluchtwege.at

mit geflüchteten AsylwerberInnen danach, wiegegenwärtige Entwicklungen und Verwerfungendes 21. Jahrhunderts Eingang in westliche"Museen finden und so zur Entstehung zukünf-tiger Gedächtnisse und kultureller oder politi-scher Archive beitragen können. Auf der ande-ren" Seite durchforstet es ebenfalls in einempartizipativen Prozess mit Geflüchteten und denKuratorInnen des Volkskundemuseums Wien-die historischen Bestände des Hauses hinsicht-

lich der Spuren, die dort migrantische, margina-lisierte oder subalterne Gruppen im 19. und 20.Jahrhundert hinterlassen haben.

Das Museum auf der Flucht" wird durch dasBundeskanzleramt Kunstsektion finanziert undvon den beiden Kuratoren Alexander Martosund Niko Wahl geleitet.

3/2017

LO

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