Heft 
57 (2022) 3
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57. Jahrgang

Realfiktion KlimarechnungshofKlimaschutz zwischenwissenschaftlicher Evidenzund demokratischer Kontrolle

Die Forderung des Klimavolksbegehrensnach einem Klimarechnungshof real undfiktiv realisieren. Das hat sich das vom FWFgeförderte 1000 Ideen Projekt am Institutfür Europäische Ethnologie der UniversitätWien in Kooperation mit Alexander Mar-tos( Science Communications Research)und der Designerin Alessia Scuderi vorge-nommen. Nachdem bereits im Frühjahrund Herbst 2021 zwei Veranstaltungen inKooperation mit dem VolkskundemuseumWien stattfanden, hat nun das Forschungs-projekt im Jänner 2022 gestartet.

Die Einsetzung des Klimarechnungshofsals eine zentrale Forderung des erfolgrei-chen Klimavolksbegehrens aus dem Jahr2020 wurde( bislang) nicht erfüllt.

Das Forschungsprojekt RealfiktionKlima: Rechnungshof" greift dieses Noch-nicht auf und wandelt es in ein Als- ob"um. Wir betrachten den österreichischenDiskurs um Klimabudgetierung, als ob dieneu zu gründende Institution ihre Arbeitschon aufgenommen hätte. Indem wir dieim Volksbegehren liegenden Erwartungennutzen, ruft das Forschungsprojekt dieForderung Klimarechnungshof als Real-fiktion ins Leben. Dafür werden möglicheAktivitäten dieser Institution spielerischumgesetzt. Wir sprechen dabei voneinem Pre- Enactment, einer Aufführungim Voraus, die die Institutionalisierung alstheatralen Akt durchführt.

Der grundsätzliche Aufbau des Projektssieht zwei Säulen vor: erstens sogenannteActs, öffentliche Aufführungen, die sich amtatsächlichen Vorgehen eines Rechnungs-

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hofs orientieren und dieses dramaturgischinszenieren. Wir spielen die Gründung desKlimarechnungshofs, die Eingabe von Prüf-fällen, das Prüfen an sich und das abschlie-Bende Berichten durch. Ergänzend findenWorkshops statt, die das für die Entwicklungder Acts notwendige Klimawandelwissen mitExpert* innen, Aktivist* innen und Politi-ker* innen erarbeiten.

In der Arbeit eines realen Rechnungs-hofs entsteht spezifisches Wissen. Im Falldes Klimarechnungshofs entsteht Wissenüber das Klima- Budgetregime, manifestiertim Konzept eines globalen CO2- Budgets.Für die effektive Kontrolle von Klimazielenist dieses Konzept notwendig. Der Klima-rechnungshof als demokratisches Kontrol-lorgan des Parlaments würde die praktischeWirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmenkontrollieren. Mit unserer Forschung liefernwir dabei den Anfang für eine nachhaltigeDebatte über die Kontrolle von Klimabud-gets in Österreich.

Wir möchten mit unserem wissensan-thropologischen Ansatz gesellschaftlichenWandel nicht nur betrachten, sondern tem-porär mit- gestalten. Wir glauben, dass dasernsthafte Durchspielen, das Testen einerInstitution im Voraus ein gutes Mittel ist,Methoden zur zukünftigen Problemlösungzu untersuchen. Diese sind angesichtseiner Vielzahl von zu lösenden Krisen nötig.

Milena Bister, Wissenschaftliche LeiterinNiklas Schrade, Projektmitarbeiter

Wissenschaftliche Leitung: Alexa Färber,Anna Echterhölter, Milena Bister

Kuratierung und Dramaturgie: Alexander Martos,Herbert Justnik

www.volkskundemuseum.at/klimarechnungshof