Heft 
57 (2022) 3
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57. Jahrgang

Neuigkeiten aus

der Provenienzforschung

In der letzten Sitzung des Kunstrückgabebei-rats( 30.3.2022) wurde ein ÖMV- Dossier zuzwei Objekten von Arthur Kohn beraten: EinBeschneidungsmesser samt dazugehörigerHolzschatulle, die Arthur Kohn dem ÖMV imJahr 1911 als Leihgabe zur Verfügung gestellthatte, wie Elisabeth Egger im Zuge ihrersystematischen Aufarbeitung des Altbe-stands im Archiv des ÖMV rekonstruierte.Ihre ersten Recherchen zeigten, dass essich bei dem Eigentümer um den StudentenArthur Kohn handeln könnte, der spätervom NS- Regime rassistisch verfolgt wurde.Aufgrund dessen haben wir entschieden,ein Dossier für den Kunstrückgabebeirat zuerstellen. Dank der Unterstützung einer ehe-maligen Volontärin, Anna Draxl, konnten dieRecherchen rasch abgeschlossen werden.

Die hier angeführten biografischenInformationen sind dem Beschluss desKunstrückgabebeirats entnommen.

( provenienzforschung.gv.at/empfehlun-

gen- des- beirats/ beschluesse)

Arthur Kohn wurde am 16. Jänner 1890in Wien geboren. Er war der jüngste Sohnvon Rudolf und Ernestine Kohn und hattezwei ältere Geschwister, Emilie( Emmi) Kohn( 1885-1942) und Viktor Kohn( 1886-1945).Rudolf Kohn war Miteigentümer der renom-mierten Klavierhandlung Bernhard Kohn. DieFamilie wohnte spätestens seit 1893 im ers-ten Wiener Gemeindebezirk, in der Himmel-pfortgasse 20, wo sich auch das Klavierhausbefand. Nach der Matura am k.k. Franz- Jo-seph- Gymnasium( heute Gymnasium Stu-benbastei) inskribierte Arthur Kohn an derUniversität Wien im Fach Urgeschichte. SeineDissertation Die prähistorischen Perioden inPalästina", mit der er 1913 promoviert wurde,

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erschien 1914 in den Mitteilungen derAnthropologischen Gesellschaft Wien". Ausdieser Arbeit lässt sich ein Naheverhältniszwischen Arthur Kohn und dem ÖMV ablei-ten, da Moriz Hoernes und Eugen Oberhum-mer, die seine Dissertation begutachteten,Mitglieder des österreichischen Vereins fürVolkskunde waren. 1917 heiratete ArthurKohn Ida Steiner, geboren am 19. Mai 1894 inPrag, nach jüdischem Ritus.

Im Leben der Geschwister Kohn spieltesportliche Betätigung eine große Rolle: Siewaren leidenschaftliche Bergsteiger* innenund Skifahrer* innen. Ihre vielfältigen Akti-vitäten und ihr Engagement im Alpen- Ski-verein über mehr als 20 Jahre( 1906-1927)sind in dessen Vereinszeitung Der Schnee"nachlesbar. Arthur Kohn unterrichteteim Kriegswinter 1914/15 600 Männer derk.k. Armee im Rahmen eines Skikursesund hielt regelmäßig Vorträge zum Lesenvon Geländekarten sowie zum adäquatenVerhalten in den Bergen. Auch erstellte ergemeinsam mit seinem Bruder Viktor eineRettungsordnung für den Alpen- Skiver-ein", außerdem waren die drei GeschwisterMitglieder des Rettungskorps des Vereins.Zusätzlich saß Arthur Kohn viele Jahre imVereinsvorstand. Spätestens nach dem Endedes Ersten Weltkriegs, wo er u.a. zum 1.Regiment der Tiroler Kaiserjäger als Kriegs-freiwilliger eingeteilt gewesen war, arbeiteteArthur Kohn wie auch sein Bruder Viktorim Klavierhaus der Familie. Zehn Jahrenach der Gründung des ersten Geschäftesin Prag im Jahr 1856 hatte ihr GroßvaterBernhard Kohn( 1829-1898) auch in Wienein Klavier- und Harmonium Etablisse-ment" errichtet. Zu den Kund* innen zähltenneben dem Kaiserhaus Mitglieder derFamilie Wittgenstein, Richard Wagner undGustav Mahler. Nach dem Tod des Gründersübernahmen seine beiden Söhne Rudolf