Heft 
57 (2022) 3
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3/2022

Schaufenster

Kohn, Arthur Kohns Vater, und FriedrichKohn, der bald darauf den NachnamenKarbach annahm, das Klavierhaus. Ende der1920er- Jahre übernahmen sie die Wie-ner Klaviermanufaktur Schweighofer undhandelten danach auch mit Klavieren auseigener Produktion.

Nach dem Anschluss" Österreichs 1938an das nationalsozialistische DeutscheReich verschlechterte sich die Lebenssitua-tion der Familien Kohn und Karbach rapide:Sie galten gemäß den Nürnberger Gesetzenals jüdisch und waren von den systema-tischen Beraubungs- und Verfolgungs-maßnahmen des NS- Regimes umfassendbetroffen. Das Klavierhaus wurde am 31.Oktober 1938 arisiert und in die WienerKlavierfabrik Ehrbar eingegliedert, dessenInhaber Friedrich Ehrbar( 1900-1970) alsLiquidator und kommissarischer Verwalterfungierte. Viktor Kohn war bis zu seinemTod im Oktober 1945 erster eingesetzte[ r]Verwalter des Klavierhauses. Das Haus inder Himmelpfortgasse wurde zwangsweisean Hugo Michl, Direktor der Marathon- Edel-stahl- Vertriebs- GesmbH verkauft. Dabeihandelte es sich um eine Niederlassung derDeutschen Edelstahlwerke AG in Krefeld,einem als kriegswichtig eingestuften Unter-nehmen, in dem zahlreiche Zwangsarbei-ter* innen arbeiten mussten.

Arthur und Ida Kohn waren im August1938 gezwungen, in eine sogenannteSammelwohnung zu übersiedeln, zunächstin Wien I, Wiesingerstraße 6, danach inWien IX, Seegasse 8. Am 10. September1942 wurden sie in das NS- Ghetto The-resienstadt deportiert. Arthur Kohn starbdort wie sein Onkel Friedrich Karbachund dessen Frau Anna- am 6. April 1944im Alter von 54 Jahren unter ungeklärtenUmständen. Am 19. Oktober 1944 wurdeIda Kohn, damals 50jährig, weiter in das

NS- Vernichtungslager Auschwitz überstelltund ermordet. Emmi Kohn und ihr MannJulius Klinger wurden am 2. Juni 1942 nachMaly Trostinec deportiert und ermordet.Viktor Kohn überlebte die NS- Zeit aufgrundseiner Ehe mit Hermine Kohn, einer als,, arisch geltenden Frau. Sie war bei ihrerHochzeit 1917 Mitglied der IsraelitischenKultusgemeinde( IKG) Wien geworden undentschied sich erst Ende Februar 1942, wie-der auszutreten. Diese Entscheidung hattewohl mit ihrer zwangsweisen Umsiedlung ineine Sammelwohnung in der Großen Schiff-gasse 1a in Wien II zu tun; bis Jänner 1942hatten Hermine und Viktor weiter im Hausin der Himmelpfortgasse 20 gelebt. Nachdem Ende der NS- Herrschaft in Österreichbehielt Hugo Michl das Haus in der Him-melpfortgasse, es kam zu einem Vergleichmit den beiden Rechtsnachfolgerinnen derehemaligen Eigentümer Viktor und ArthurKohn sowie Friedrich Karbach. HermineKohn zog unmittelbar nach dem Tod ihresMannes Viktor im Oktober 1945 von derSammelwohnung in die Himmelpfortgasse3, also ganz in die Nähe der ehemaligenKlavierhandlung ihrer Familie, die infolgeeines Vergleichs 1953 weiter im Besitz vonFriedrich Ehrbar verblieb. Hermine Kohnverstarb 1965 im Alter von 84 Jahren.

Da das Beschneidungsmesser unddie Holzschatulle eine Leihgabe an dasÖMV sind, können sie nicht im Sinne desKunstrückgabegesetzes restituiert wer-den. Doch der Beirat empfiehlt explizit,die Erb* innen zu suchen, um die Objektezurückgeben zu können. Dankenswerter-weise hat die Israelitische KultusgemeindeWien, wie schon bei den bisherigen Resti-tutionsfällen, diese Aufgabe übernommen.

Claudia SpringProvenienzforscherin

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