Heft 
58 (2023) 2
Seite
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58 2/2023

INTERVIEW 29

Unsere Ausstellung ist einethnografisches Sammelgefäß

Ein Besuch bei Michael Hieslmair undMichael Zinganel in ihrem Projektraum amNordwestbahnhof und ein Gespräch überSein und Werden des Areals, ethnografischeSuchbewegungen und künstlerisch- aktivisti-sches Schaffen.

Ihr seid seit 2015 am Nordwestbahnhofzugange, wie kam es dazu?

Michael H.: Wir haben 2014 bis 2016 aneinem Forschungsprojekt zu den Europäi-schen Verkehrskorridoren gearbeitet, alsoden Straßenverbindungen, die Ost- undWesteuropa verbinden. Dabei waren wir zwi-schen Wien, Tallinn und an der türkisch- bul-garischen Grenze unterwegs und habensoziale Knotenpunkte entlang dieser Routebesucht: Raststätten, Fährterminals oder

auch Gebrauchtwagenmärkte. An den jewei-ligen Orten haben wir Material gesammelt,mit den Menschen gesprochen und dann inWien, aber auch auf der Route, Ausstellun-gen gemacht.

In Wien haben wir uns mit dem WienerBusbahnhof beschäftigt, der nie ein wirkli-cher Bahnhof war, sondern eher ein gebas-telter, funktionaler Raum. Im Zuge diesesProjekts waren wir auf der Suche nach einemOrt, an dem wir unsere Basis mit Büro,Werkstatt, Lager und Präsentationsflächeeinrichten können. Naheliegend war dasHeadquarter der Wiener Linien in Erdberg.Per Zufall bin ich am Nordwestbahnhofvorbeigekommen und ins Areal hinein gegan-gen. Zu dem Zeitpunkt war noch relativ vielSpeditionsbetrieb hier und ich habe michdurchgefragt, ob Flächen leer stehen undvermietet werden. Siehe da, ein Büro übereiner Lagerhalle war frei. Seither sind wir amNordwestbahnhof- inzwischen aber in ein

Michael Zinganel und Michael Hieslmair am Nordwestbahnhof vor derInstallation Excavations of the darkest Past im Rahmen der Vienna DesignWeek 2021. Foto: Kollektiv Fischka/ Kramar

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