Heft 
55 (2020) 2
Seite
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Lieblingsobjekt

55. Jahrgang

Dem Uranglas auf der Spur

Licht aus und die UV- Taschenlampe aufdie Gläser gerichtet: manche leuchtenin einem blassen Gelb, andere in einemkräftigen Grün. Wie funktioniert das? InGluthitze geschmolzen, gefärbt, getrübt,gekühlt Farbengläser umgibt die Aura desGeheimnisvollen, schreibt die Glas- PäpstinWaltraud Neuwirth. Die Kunst des Glas-färbens ist so alt wie das Glasmachenselbst. Die Geschichte des Uranglasesreicht in die Biedermeierzeit zurück:Die Begeisterung erfasste nicht nur dieHabsburgermonarchie. In England nenntman es canary glass, in Frankreich verrecanary und in Amerika ist es unter derBezeichnung vaseline glass bekannt. Vondort gelangte es um 1900 nach Japan,wo man bis vor etwa 20 Jahren Uran zumGlasfärben abbaute. Das Fairywood Uran-Glas Museum ist das einzige seiner Artund liegt in Japan in der Präfektur Okayama.Auch das Volkskundemuseum Wien kamdurch besonders glückliche Umstände inden Besitz einer ansehnlichen Sammlungvon Urangläsern. Ein Sammler musste sichvon seinen Stücken trennen und bot sieuns als Schenkung an. Ein außerordentli-ches Glück und Anstoß, sich mit diesemspeziellen Glas zu beschäftigen.

Die chemischen Kenntnisse in denGlashütten in Böhmen und Sachsen ließenes zu, dass alle Arten von Farbenglashergestellt wurden. In Industrie- undGewerbeausstellungen präsentierte mandie neuen Produkte: Alabaster-, Bein-,Hyalith-, Uranglas und andere. Auch eineVase in Chrysopras- Composition mitGoldrand entdeckten wir in der SammlungDworzak: das schwach durchscheinendegrünliche Glas soll den Stein Chrysoprasimitieren. Um eine Trübung zu erreichen,

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fügte man phosphorsauren Kalk z. B. inForm von Knochenasche zu.

Durch den Zusatz von Uranoxyd bei derGlasherstellung erreichte man neben demfärbenden Effekt auch den der Fluoreszenz.Ich lernte, dass Uran- Atome, wenn sieUV- Licht absorbieren, Energie abgeben,die vom menschlichen Auge als ein hellesgrünes Leuchten gesehen wird. Das Phä-nomen des veränderten Farbtons kannbereits bei starkem Sonnenlicht beobach-tet werden.

Eine grüne Solitärvase in Form einesverästelten unsymmetrischen Baumeshat einen schmalen lachsrosa Hohlkörperaufgesetzt. Die Recherche ergab, dass essich um sogenanntes Rosalinglas handelt,das seine Färbung durch den Zusatz vonSelen erhält. In der Zwischenkriegszeitwar Rosalinglas sehr in Mode- und lässtsich in vielen Haushalten noch finden. Dielachsrosa Deckeldose meiner Großmutter,die geschliffenes Kristallglas imitiert, istein gutes Beispiel für Rosalinglas. Als ichdie UV- Lampe in die von ihr geerbte Vitrinerichte, leuchtet überraschenderweise dergrüne Fußbecher. Probieren Sie es auchaus und erforschen Sie Ihren Gläserschrankmit einer UV- Lampe...

Claudia Peschel- WachaSammlung Keramik, Glas und Stein