Heft 
55 (2020) 2
Einzelbild herunterladen
 
  

Schaufenster

55. Jahrgang

Nachruf Rudolf Rudi Pietsch( 1951-2020)

Am 5. Februar 2020 verstarb mit RudolfPietsch eine zentrale, allseits beliebte undhoch geschätzte Persönlichkeit der Volks-musikpraxis,-forschung und-pädagogik inÖsterreich.

Geboren am 17. Oktober 1951 in Wien,absolvierte Rudi Pietsch das Lehramts-studium für Musikerziehung an der Musik-hochschule Wien und schloss 1991 seinDoktoratsstudium der Musikwissenschaftmit der Dissertation Musikalische Volks-kultur bei burgenländischen Auswanderernin Pennsylvania, USA" ab. Ab 1981 wirkte eran der Universität für Musik und darstel-lende Kunst Wien. Zunächst Assistent, ab1988 Assistenzprofessor, war er schließlichvon 2011 bis 2016 stellvertretender Leiterdes Instituts für Volksmusikforschung undEthnomusikologie.

Rudi Pietsch war ein begnadeterMusikant. Seit den 1970er Jahren mit demHeanzn- Quartett, später als musikalischerLeiter der Tanzgeiger prägte er die Musi-zierpraxis und begeisterte weite Kreise fürtraditionelle Volksmusik. Gemeinsam mitHermann Härtel revitalisierte er die Geigen-musik. Auf ihn geht die Besetzungsgattung" Tanzgeiger"- zwei Geigen, Nachschlag-bratsche, Steirische Harmonika und Bass-geige zurück. Über zehn Jahre lang leiteteer die Musikwerkstatt des Festivals Glatt& Verkehrt" in Niederösterreich.

Als Lehrer gelang Rudi Pietsch eineinnovativ- lebendige Verbindung von musika-lischer Praxis und Wissenschaft. Er konnteGenerationen von Studierenden für Volks-musik begeistern. Zahlreiche Ensembleshaben von ihm gelernt und wurden von ihmgefördert. Für die Vernetzung des Institutswar Rudi Pietsch unermüdlich tätig und

10

initiierte eine Reihe von Kooperationen,im Zuge derer es auch zur Zusammenarbeitmit dem Volkskundemuseum Wien unddem ehemaligen Ethnographischen MuseumSchloss Kittsee EMK kam.

Beispielsweise kuratierte er 2007gemeinsam mit Michael Weese für dasEMK die Ausstellung Saitenblicke. JosephJoachim und die Geige in der europäischenVolksmusik. Beim europäischen Geigenspie-lertreffen Saitenklänge" am 13. Oktober2007 fanden unter seiner Leitung Geige-rinnen und Geiger aus acht Ländern imSchloss Kittsee zum gemeinsamen Musizie-

ren zusammen.

Die Entstehung des dritten Bestands-katalogs der Musikinstrumentensammlungdes Volkskundemuseum Wien unterstützteRudi Pietsch 2013 durch die Abhaltung derLehrveranstaltung Volksmusikinstrumente".19 Studierende bearbeiteten die Aerophoneaus den Beständen des Museums vor Ortund stellten ihre Arbeiten den AutorInnenzur Verfügung.

Das Schaffen von Rudi Pietsch wurdemehrfach gewürdigt. Er war seit 2012 Kul-turpreisträger des Landes Niederösterreichmit einer Würdigung in der Sparte Volks-kultur und Kulturinitiativen. Im selben Jahrerhielt er den Tobi- Reiser- Preis des LandesSalzburg und wurde 2016 mit der Verdienst-medaille in Gold der Universität für Musikund darstellende Kunst geehrt.

Die Lücke, die er hinterlässt, wird nurschwer zu schließen sein.

Elisabeth Egger, Archiv