Schaufenster
56. Jahrgang
Neuigkeiten aus derProvenienzforschungRestitution der Sammlungvon Albert Pollak
Am 25.9.2020 empfahl der Kunstrückgabe-beirat die Restitution von sechs Objektenaus dem ehemaligen Eigentum des Kunst-sammlers Albert Pollak( 1878-1943) aus demBestand des Volkskundemuseums an dessenErbinnen.
Albert Pollak wurde 1878 im schlesischenBielitz( Bielsko) geboren und migrierte 1914nach Wien. Nach zahlreichen Reisen inEuropa leitete er die Allgemeine Wollhan-dels- A.G. Er war jüdischen Glaubens, bliebunverheiratet und kinderlos. Im Zuge seinerReisen hatte er eine umfangreiche undwertvolle Sammlung aufgebaut, bestehendaus Bildern, Plastiken, Glas und Porzellansowie verschiedenen Kunst- und kunstge-werblichen Objekten.
Nach dem„ Anschluss" Österreichs andas nationalsozialistische Deutsche Reichim März 1938 kam Albert Pollak sechsWochen in Gestapo- Haft, sein Eigentumwurde beschlagnahmt. Spätestens AnfangDezember 1938 gelang ihm die Flucht nachBielitz und von dort weiter nach Groningen,wo er unter unbekannten Umständen 1943verstarb.
Albert Pollaks Vermögen wurde im März1940 eingezogen und seine Kunstsammlungin die Zentralstelle für Denkmalschutz über-führt, die insgesamt 843 Objekte inventa-risierte und viele davon an verschiedeneMuseen weitergab. Der damalige Direktordes Volkskundemuseums, NSDAP- MitgliedArthur Haberlandt, nutzte seine Netzwerkeund akquirierte 14 Objekte.
Nach Kriegsende erhielten die Erbinnenvon Albert Pollak diese 14 Objekte aus dem
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Volkskundemuseum und auch Objekte ausanderen Museen gemäß 1. Rückstellungsge-setz( BGBI. 156/1946) vorerst zurück.
Grund für die neuerliche Übernahmevon sechs zuvor rückgestellten Objektendurch das Volkskundemuseum im Jahr1951 war, dass die Erbinnen Albert Pollaksdie in den Nachkriegsjahren rückgestellteSammlung aufgrund der Bestimmungen desAusfuhrverbotsgesetzes( StGBI 90/1918)nur deshalb aus Österreich in jene Länder,wo sie nach Verfolgung und Vertreibungnun lebten, ausführen konnten, weil sieTeile ihrer Sammlung, insgesamt 14 Objekte,verschiedenen Museen, u. a. der Albertina,dem Kunsthistorischen Museum Wien unddem Volkskundemuseum, unentgeltlichgewidmet hatten. Sämtliche dieser Objektesind nun entsprechend den Bestimmun-gen des Kunstrückgabegesetzes( BGBI. INr. 181/1998) zu restituieren. Die Erbinnenvon Albert Pollak konnten von den Mitarbei-terinnen der Israelitischen KultusgemeindeWien bereits ausfindig gemacht werden, dieRestitution der Sammlung von Albert Pollakwird demnächst erfolgen.
Claudia Spring,
Provenienzforschung
Zum Weiterlesen: www.provenienzforschung.gv.at/de/
empfehlungen- des- beirats/ beschluesse