Heft 
56 (2021) 1
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56. Jahrgang

Volkskundemuseum WienLeitideen zu einem Kultur-und Gesellschaftsmuseum

Welche Geschichte braucht die Zukunft?Wieviel Geschichte braucht die Gegenwart?Welche Gesellschaft braucht das Museum?Neben der Entwicklung und Durchführungverschiedener Projekte in den Sammlungenwar das Zwischenjahr 2020 als Basis undOrientierung für die großen und kleineren,pragmatischen wie visionären Arbeiten zurzukünftigen Ausrichtung und Organisationdes Volkskundemuseums vorgesehen.2019 war mit dem Projekt VKMW21 derhausinterne Nachdenk- und Planungspro-zess eingeleitet worden, der sich durchdie namentliche Erwähnung des Museumsim Programm der türkis- grünen RegierungAnfang 2020 rasant beschleunigte undveränderte.

Der zugrunde liegende Prozess hat sichvon Anfang an in zwei Richtungen bewegt.Zum einen ging es um eine Bestandsauf-nahme, die die Sammlungen und Beständedes Volkskundemuseums einbezieht undsie hinsichtlich ihrer Möglichkeiten füraktuelle, gegenwarts- wie gesellschaftsre-levante Analyse und Darstellung befragt.Darauf aufbauend widmete sich die zweiteRichtung der Frage, wie ebendiese Linienfortgeführt und sie gewinnbringend undanregend auf den Kopf gestellt werdenkönnen. Es gilt, daraus neue Schwerpunkteund Strukturen sowie Denk- und Hand-lungsweisen abzuleiten und festzulegen.

Ziel ist es, das Volkskundemuseum Wienzu einem neuartigen Gesellschafts- undKulturmuseum des 21. Jahrhunderts mitstarkem Gegenwartsbezug weiterzu-entwickeln. Im Sinne eines relationalenMuseums sollen nicht nur Gegenwart und

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Geschichte in Beziehung und Verhältnisgesetzt werden, sondern auch mensch-liche, nichtmenschliche, ökologische,

infrastrukturelle, technologische, ideelleund ideologische Relationen transdisziplinärund Community- basiert erforscht undvermittelt werden. Wir fragen nach demalltäglichen Leben und Zusammenleben,materiellen und immateriellen Kulturen,Wissen und Glauben, lokalen und globalenEinflüssen, Identitäten und Konflikten; wirfragen nach individuellen wie kollektivenHandlungen und Strukturen und damitauch nach den Bedingungen von sozialemZusammenhalt und gelebter Demokratie.

In den letzten Jahren hat sich dasVolkskundemuseum Wien als ein in vieleRichtungen offenes Haus positioniert.Diese Schritte werden wir weitergehen: DasMuseum ist ein zugänglicher Wissens- undGestaltungsort in Wien, der zur Nutzungeinlädt. Wir erproben neue kuratorischeErzählungen und Präsentationen und arbei-ten mit künstlerischen, handwerklichen,wissenschaftlichen und aktivistischen Grup-pen, Institutionen und Personen zusammen.

Magdalena Puchberger