AUSSTELLUNG
In einer frühen Projektphase kam das Teamvon ,, Lost in Administration" mit Christine Mjkain Kontakt. Christine, Wienerin und Tochtereines afroamerikanischen Soldaten, den sie niekennengelernt hat, erklärte sich dazu bereit, mitihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen,um dadurch die MitarbeiterInnen von„ Lost inAdministration" bei der Suche nach weiterenInterviewpartnerInnen zu unterstützen. Nacheiner Serie von Zeitungsartikeln, die auch einenAufruf zur Kontaktaufnahme enthielten, melde-te sich eine Reihe von ZeitzeugInnen, die dazubereit waren, ihre Lebensgeschichten mit denMitarbeiterInnen des Projekts zu teilen.
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Anfänglich war„ Lost in Administration", nur' alswissenschaftliches Forschungsprojekt geplant.Allerdings stellte sich im Verlauf der- mittler-weile 25 Interviews heraus, dass es für vieleGesprächspartnerInnen ein großes Bedürfnisist, ihre Lebensgeschichten öffentlich zu machenund darüber hinausgehend auch andere Betrof-fene kennenzulernen. Viele der Interviewpart-nerInnen waren davon ausgegangen, dass siedie einzigen Kinder afroamerikanischer Gls inÖsterreich waren. Um ihrem Anliegen nach-zukommen, beschlossen die Projektmitarbei-terInnen den Fokus nicht ausschließlich aufwissenschaftliche Resultate zu setzen, sondernparallel an der Ausstellung„ SchwarzÖsterreich"zu arbeiten und mit ihr eine Öffentlichkeit fürdie Lebensgeschichten von Kindern afroameri-kanischer Gls zu schaffen.
Für die Ausstellung bündelten die KuratorenAusschnitte aus den Interviews nach Themen
und verknüpften sie mit historischen Fotogra-fien, Dokumenten und Objekten. Ein Teil derInterviewausschnitte mit den ZeitzeugInnenwird in der Ausstellung im Original gezeigt,andere Sequenzen werden von jungen Schwar-zen nachgesprochen. Dieser Zugang ermöglichtes dort, wo es notwendig erscheint, die Anony-mität der InterviewpartnerInnen zu wahren undihre Privatsphäre zu schützen. Darüber hinausentspricht er einer weiteren Zielsetzung desProjekts, nämlich die Geschichte der erstenGeneration Schwarzer ÖsterreicherInnen nach1945 mit der Gegenwart der nachfolgendenGenerationen und der heute in Österreichlebenden Schwarzen zu verknüpfen.
Durch die Geschichten der ZeitzeugInnen unddie Gespräche über Schwarze österreichischeGeschichte wird ein bisher weitgehend margi-nalisierter Aspekt in den Fokus der Wahrneh-mung gerückt und damit zukünftige Geschichtegeschrieben. Das Projekt„ Lost in Administrati-on" und die Ausstellung„ SchwarzÖsterreich"sehen sich als Beitrag, diese Form der Isolati-on, die auch die Wahrnehmung der eigenenGeschichte erschwert, zu durchbrechen.
www.lostinadministration.at
Dieser Artikel stellt eine gekürzte Fassung desgleichnamigen Beitrags aus dem Ende Aprilerschienenen Ausstellungskatalog dar: Schwar-zÖsterreich. Die Kinder afroamerikanischerBesatzungssoldaten, Löcker Verlag, Wien 2016.
Mai- September 2016
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