der Hässlichen. Bettler, Geistliche und die Magd mit dem unehelichen Kind, Wander-händler, Soldaten und Schiachperchten bilden den Kontrast zu den schönen Tresterernund ihrem harlekinischen Hanswurst. Als Höhepunkt tanzen die Tresterer ihrenRundtanz zum Klang der Klarinetten. Sie stampfen, springen und steppen im Kreis.Sie sind unnahbar Schöne, während die„ Schiachen" in einem ritualisierten Dialog desNeckens und Schreckens mit den Zuschauern und Zuschauerinnen kommunizieren.Die rotweißen Gewänder und Prunktaschentücher der Tresterer erinnern entfernt anbarocke Adelige in Kniebundhosen und Justaucorps( lange elegante Seidenwesten). Dievergleichbaren Faschingstänzer aus Bagolino/ Trentin sind viel mehr dem Barock ver-haftet. Am Ende danken die Hausleute mit Geld und Gaben für die Ehre des Besuchs.Das Wort trestern bzw. Tresterer- als Bezeichnung für den Tanz ebenso wie für dieTanzenden bezieht sich auf ein lautes Stampfen, Pochen und Klopfen, wie uns dasWörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich erklärt.( Groschopf 2015)
Ganz anders ist dies auf den Bühnen der Stadt und des Tourismus. Ob bei den diversenAdventsingen in Salzburg und Bad Ischl³ oder auf den Bühnen von Landgemeinden odervon Kongressen, hier entfällt die Ambivalenz des fröhlichen Faschingslaufs. Denn, seitmehr als 100 Jahren haben Veranstalter, Sommerfrischler und städtische Kulturvereinedas wohlgefällig Schöne als Brauch auf ihre Bühnen gehoben. Sie haben nur den Tanzder Tresterer als erhaltungswürdig und„, authentisch" bewertet. Wenn die Tresterer soauftreten, dann erstarren sie zur Bühnenaufführung oder werden in kalter Winternachtpathetisch zum Relikt eines Mythos überhöht.
Die mit Pathos aufgeladene Inszenierung eines Mythos erreichte ihren Höhepunkt inAufzeichnungen und Dokumentarfilmen des Phonogrammarchivs der Akademie derWissenschaften im Jahr 1939( Lager/ Peter 1940). Der angeblich letzte Tresterertän-zer, der Bauernsohn Matthias Eder, tanzte die einzelnen Schrittfolgen im Studio, aufeiner Bühne, vor weißen Vorhängen. Sein Kostüm gehörte dem Neffen eines einstigenTänzers, doch der Besitzer konnte nicht mehr tanzen. Die lebendige Tradition war ab-gebrochen, wiewohl sich alte Männer im Pinzgau kurz vor dem Ersten Weltkrieg ebensowie kurz vor dem Zweiten Weltkrieg um die Weitergabe des Tanzes bemüht hatten.
1911 führte der damals großbürgerlich- adelige„ 1. Salzburger GebirgstrachtenvereinAlpinia" den Tresterertanz bei seinem 20- jährigen Gründungsfest als viel beachteteNeuheit auf, wie die Zeitungen kolportierten. Von da an gehörte er zu den berühmten
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3 2016 etwa traten die Tresterer der Alpinia sowohl beim„ ,, Salzkammergutadvent" im Kongresshaus in Bad Ischlauf als auch beim„ Tobi- Reiser- Adventsingen" in Salzburg.
4 Siehe dazu die Beiträge von Vitus Weh und Thomas Hörl in diesem Band.