TRESTERER- AUTOEROTIK
ZUR AUSSTELLUNG,, MATTHIAS" VON THOMAS HÖRL
Vitus Weh
Museen sind Orte der Musen. Musen wiederum sind die Geister der künstlerischenInspiration. Dem entsprechend wurden Museen ursprünglich weniger als Orte derwissenschaftlichen Arbeit oder der Gelehrsamkeit gegründet und gebraucht, alsvielmehr als Reservoir für künstlerische Begeisterung, d. h. als Quelle der Inspirationfür weitere Kunstwerke. Für die Kunstproduktion fungierte lange Zeit vor allem diegriechische Antike als ein Hort des reizvoll Fremden, aus dem sich beständig neueRenaissancen entwickeln ließen. Mit dem Beginn der Moderne begannen verschiede-ne Künstler und Künstlerinnen ihre Inspiration nicht mehr nur in Glyptotheken undGemäldegalerien zu suchen, sondern auch andere Museen zu durchforsten. Beson-ders ethnografische Museen und volkskundliche Sammlungen wurden für Künstlerwie Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Gustav Klimt oder Ernst Ludwig Kirchner zufaszinierenden Fundgruben. In der Folge sickerten die Eigenarten von präkolum-bianischen Skulpturen, von afrikanischen Masken und japanischen Holzschnittenmassiv in die europäische Kunst ein. Dass solche kulturellen Übernahmen Aspektedes Kolonialismus in sich tragen, wurde in den letzten Jahren vielfach diskutiert, aberdie Sehnsucht nach dem exotisch Glossar ::: zum Glossareintrag exotisch Fremden blieb dennoch erhalten. Also wendet mansich heute verstärkt dem Eigen- Exotischen Glossar ::: zum Glossareintrag Exotischen, respektive den eigenen modernistischenSymptomen und Formen zu.
In seiner Ausstellung„ Matthias", die erstmals von Dezember 2014 bis Februar 2015 imSalzburger Kunstverein zu sehen war und von November 2016 bis Februar 2017 erheb-lich erweitert und adaptiert im Volkskundemuseum Wien zu sehen ist, hat Thomas Hörldiese Strategie gleichsam in eine Kapriole überführt: Er hat lokale Brauchforschungbetrieben, sie mit persönlichem Reenactment erfüllt und zugleich in die popkulturelleGegenwart katapultiert. Das Ergebnis ist ein bunter Strauß an„ autochthonen Exotis-men". Sein Ausgangspunkt hierfür waren frühe historische Foto-, Film- und Tonauf-nahmen, die zwischen 1898 und 1939 einen Pinzgauer Vorpercht¹ namens MatthiasEder dokumentieren. Ein ganzes Ensemble an einzigartigen Schatzkammern war dazu
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