Druckschrift 
Matthias tanzt - Salzburger Tresterer on stage : Kunst und Wissenschaft im Dialog
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

der Volkskultur", wie Märchen, Lieder, Sprüche, die bereits im 18. Jahrhundertvon den Gebrüdern Grimm, Johann Gottfried Herder und anderen gesammelt und-verändert- aufgezeichnet wurden, und die ab dem 19. Jahrhundert verstärkt in denBlick geratende materielle Kultur, wie Masken, Möbel oder Kleidung, würden in dieZeit zurück und damit hinunter in tiefere Schichten der Kultur führen. Sie wären überlange Zeiträume unverändert und unbeeinflusst geblieben. Die Rede war von Über-lebseln"( Relikten), also Formen die über Jahrtausende gleichgeblieben seien. Sie geltees, aus der rezenten Lebensweise der Landbevölkerung herauszufiltern.( Vgl. Korff1994, 378-380)

Wilhelm Hein jedoch, sicherlich beeinflusst oder gar motiviert von diesen Gedan-kengängen, nahm nicht von vorneherein eine lange Kontinuität der Masken undVolksschauspiele an, auf die er während seiner Forschungsreise traf, und er setzte auchnicht alle Phänomene gleich. Er setzte auf Quellenforschung und zog keine voreiligenSchlüsse. Außerdem legte er seine Gewährspersonen offen( Hein 1894,[ 46] u.[ 47])und subjektivierte und personalisierte damit das Volk"( Vgl. Nikitsch 2006, 47), dasbei anderen Forschern häufig als Kollektiv auftrat.

So schilderte Hein in einem Vortrag für die Anthropologische Gesellschaft( Hein 1894,[ 47]) wie er am 2. Februar 1894, also rund ein halbes Jahr nach seiner Forschungsreise,in Johann Auers Gasthaus Glocker" in Oberkrimml die Aufführung eines Hexenspiels"besuchte, die unter der Leitung von Rupert Wechselberger, einem Mineraliensammlerund Touristenführer, stattfand. Diesen hatte er bereits im Herbst in den Bergen desAhrentals in Südtirol an der Grenze zum Pinzgau kennengelernt.( Hein 1894,[ 47])Durch Wechselberger waren die Ahrentaler Masken nach Krimml in den Pinzgau ge-langt.( Hein[ um 1895], 5) Nach dem Hexenspiel wurde ein, Perchtentanz" aufgeführt,wobei die Perchten, die mit Federkronen geschmückt waren, T,, Tresterer" genanntwurden, eine Bezeichnung, die neu für Hein war und die er nicht einordnen konnte.Jedenfalls erwarb er zwei vollständige Tresterer- Costüme", wie er in einer Fußnotezur Niederschrift des Vortrags angibt, für die Sammlungen des Naturhistorischen Mu-seums, wo sie von ihm unter den Nummern 50.980 und 50.981 inventarisiert wurden.Die Möglichkeit des Ankaufs lässt darauf schließen, dass die Kostüme in Krimml nichtmehr gebraucht wurden, vermutlich weil das Trestern dort nicht( mehr) ausgeübt wur-de. Er notierte, dass das erste Kostüm beim Auftritt von Rupert Wechselberger und daszweite von Paul Wechselberger getragen worden war.

66

6 Laut Inventarbuch des Naturhistorischen Museums bezahlte er 32 Gulden für die Kostüme und weitereObjekte; die Summe bekam er vom Museum erstattet. Der Betrag entsprach in etwa 40 Tageslöhnen einesTagelöhners( Vgl. http://www.familienkunde.at/Lexikon_Waehrung Geld[ 12.10.2016]).