39
eine erhöhte Nachfrage unter den Städterinnenherrschte. In derselben Zeit tauschte man auch dasKnow- how über die Technik der» Büstenhalter aus Atlasmit abgenähten Körbchen« mit dem sozialistischen Koreaaus. Der Betrieb>> Rote Fahne<< importierte aus ÖsterreichSpitzenmotive für die Damenwäsche. Aus Italien lieferteman neue Trikotagenmaschinen. Die zahlreichenbehördlichen Instanzen bildeten mit ihren bestenAbsichten eine ziemlich schwerfällige Maschinerie, diedie Arbeiten der sowjetischen Gestalter entstellte undihren Teil zur Entstehung des Warenmangels beitrug.Winzige Damenslips, die vom Betrieb»> Tribuna« auf derletzten sowjetischen Ausstellung des>> Kunstrates derIndustriezweige<< gezeigt wurden, würdigte man wegenihrer Kühnheit, zur Produktion wurden sie allerdings nichtempfohlen.
Für lange Zeit war das beste Mittel gegen denMangel, die Wäsche zu Hause selbst zu nähen. Imobligatorischen Schulkurs>> Haushaltsführung« begannman den Unterricht damit, Nachthemden undSchlafanzüge zuzuschneiden. Beide Kleidungsstückewaren nicht kompliziert und auf ihre Art und Weise sogarkokett. Aber mit dem Auftauchen elastischer Stoffe undzahlreicher spezieller Elemente in den 1960er und1970er Jahren konnten alleine der Büstenhalter und dieStrumpfhalter aus zwischen 4 bis 12 verschiedenenStoffarten bestehen. Außer dem Hauptstoff gab es denFutterstoff, Stoff für den Besatz, für die Träger, für dieBorten; die Wäschebänder, die Gummibänder,Schaumstoff, Korsettbänder, Plastikplättchen, Fischbein-stäbchen, kleine Spiralen, Spangen, Haken, Ösenver-schlüsse etc. Zu dieser Zeit verschwanden sogar diegewöhnlichsten Stoffe wie Nessel oder Kattun aus demHandel, sodaß es unmöglich wurde, Wäsche eigenhändigzu nähen. Versuche solcher Art wurden trotzdemunternommen. In den inländischen Frauenmagazinen und