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Körpergedächtnis : Unterwäsche einer sowjetischen Epoche ; [eine Ausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien ... ; 20. März bis 3. August 2003] = Pamjat′ tela : nižnee bel′e sovetskoj ėpochi
Entstehung
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Eine kurze Geschichte der Unterwäsche in der Sowjetunion

früheren Lebensweisen ist besonders offensichtlich zurZeit der NEP. Das Korsett, das durch den 1.Weltkrieg, dieRevolution, die Schwierigkeiten und Entbehrungen desBürgerkrieges und Militärkommunismus verloren ging,wurde für kurze Zeit wieder in das Kleidungssortiment derStadtbevölkerung aufgenommen, ungeachtet derTatsache, daß die europäische Mode damaliger Zeitaufgrund gerader Silhouette und einfachster Schnittegerade nicht auf der Notwendigkeit des Korsetts beharrte.Die NEP läßt sich allerdings durch ein angespannt-aufmerksames Verhältnis zur Mode charakterisieren.Trotzdem zählte man 1923 in Petrograd ungefähr sovieleKorsettateliers wie im Jahr 1914.

» Alles für die Front<<

In der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg konzentriertesich die Textilindustrie beinahe ausschließlich auf dieProduktion von Herrenwäsche, auf Unterhemden und langeUnterhosen im Armeestil des ersten Weltkrieges. Dabeiwählte man den einfachen Soldatenschnitt, nicht dieOffiziersvariante. Derselbe Zuschnitt und dieselbeNesselwebart blieben von 1918 bis 1980 fast unverändert.Der traditionelle Konservativismus in der Herrenwäscheerfährt hiermit eine zusätzliche Bestätigung. Von den vierModellen für Unterhosen, die von der Moskauer Beklei-dungsindustrie vor dem Krieg hergestellt wurden, trug nureine den Namen» Zivilunterhose«. Die Fachleute, dieschnell auf die Produktionsbedürfnisse zu reagierenhatten, veröffentlichten ausführliche Anleitungen undLehrmittel für die Anfertigung von Herrenunterwäsche.Eine ähnliche Literatur für das Damensortiment erschienerst in den 1950er Jahren. Den in den ersten Kriegsjahreneinberufenen Frauen konnte man nicht einmal eine ihremGeschlecht entsprechende Uniform ausgeben: Statt einem

Unterkleid erhielten sie zwei Herrenunterhemden.

Gerade im Sozialismus begann man, die Produktion derTextilindustrie direkt an die Bedürfnisse des Militärsanzupassen. Im Jahre 1920 endete die Enteignungswelleder im Privateigentum befindlichen Fabriken und Ateliers.Infolge der Fusion zwischen der Abteilung der Militärbe-schaffung und dem Zentralorgan der Bekleidungsindustrie(» Zentroschwej<<) entstand>> Glawodezhda«<, deren Hauptzieldarin lag, die Produktion von Militäruniformen zu organi-sieren. Damit beschäftigten sich fast alle staatlichenTextilfirmen, sodaß im Jahre 1921 95% ihrer Arbeitnehmerim militärischen Bereich arbeiteten. Für die Herstellungder Unterwäsche schuf man einen getrennten Industrie-zweig. So beschäftigte sich die 10. staatliche Bekleidungs-fabrik in Petrograd ausschließlich mit der Herstellung vonUnterwäsche für das Militär.

Teile der Militäruniform wurden unmittelbar in dieWäscheformen integriert. Die in den 1920er Jahren herge-stellten Hausjacken für Herren wurden mit sog. Motivengeschmückt, die den Mänteln der Rotarmisten entstammten.

> Freundschaft aller Völker<<

Die Neuheit, die die sowjetischen Textildesigner derZwischenkriegszeit zum Kanon der Wäschewarenbeisteuerten, war das einfach geschnittene Unterhemd mitdem typischen Namen» Volkshemd«. Es hatte einenStehkragen, lange Ärmel mit einer Naht undSchnürbändern. Die Idee des Internationalismus und derVölkerfreundschaft, zum Teil auch die Trägheit des> ehemaligen Lebens« mit seiner Begeisterung fürethnographische Anzüge brachten unterschiedlicheHerrenoberhemden mit jeweils signifikant ausgeprägtemNationalkolorit hervor. Dazu gehörten die zur

Standardwäsche gewordenen Hemden» Apage«<,>> Fantasy<<