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Körpergedächtnis : Unterwäsche einer sowjetischen Epoche ; [eine Ausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien ... ; 20. März bis 3. August 2003] = Pamjat′ tela : nižnee bel′e sovetskoj ėpochi
Entstehung
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unterworfen und von der Westindustrie sagt er das, was erauch von der Westkunst sagen könnte:» Man stelle vielegute Sachen her, aber wozu?«[ Rodtschenko, 142]. Daherlassen ihn sogar»> gute« westliche Produkte, derenEigenziel die Qualität ist, unzufrieden. SowjetischesKunstwerk und sowjetisches Produkt müssen mit demZielbewußtsein erfüllt werden,»> Sachen vom Wichtigsten<<zu sein. Das sowjetische Produkt ist dasvergegenständlichte Wesen, aber nicht der modischeSchein, und sein Wesen soll die Substanz der Arbeit selbstsein. Im Sozialismus soll die Arbeit nicht entfremdetwerden und ihr schöpferisches Potential erhalten bleiben.Gerade deshalb widersetzen sich die sowjetischen Dinge,in ihrer idealtypischen, selten erhaltenen Fassung, einerÄsthetik des Warenäußeren und sie kommen direkt zumKern der Sache: warme Hosen wärmen, Makkaroni nähren,Flugabwehrgeschütze schießen. Nicht modisch, in nichtsverpackt, vom Gesichtspunkt der Warenästhetik formlos,verkörpert das Produkt ein unverletztes Wesen, seinebemerkbare Schwere, die ihm eingeprägten Bemühungen( Ungeschicklichkeiten, Unebenheiten,

Unvollkommenheiten der Sache) sind ein Lied von derArbeit, ein Lied, das von der Pflicht erfüllt ist, wahrhaftigzu sein.

Im übrigen wurde die militärische Ausrichtung dersowjetischen Wirtschaft von nichts anderem als davonbestimmt, daß man das>> Wesen« den>> Scheinbarkeiten<<vorzog. Die Wirtschaftsgebiete, in denen sich die Fragenum Leben und Tod entschieden, waren daher immer diestarken Seiten der sowjetischen Industrie und desWissenschaftsbetriebes. Anders und mit weniger Kraftzeigte sich die Leichtindustrie, der Nahverkehr oder dietherapeutische Behandlung. Wo es weniger Risiko für dasLeben gab, da erschien das Leben unwesentlicher.

"... irgendeine Beliebige wird mit nach Hause genommen.<<

Das erste, worauf Rodtschenkos Augenmerk in Parisfiel, war ein Verkäufer pornographischer Postkarten[ Rodtschenko, 136]. Nach ein paar Tagen trat er währendeines Spaziergangs in das Etablissement»> Olympia« ein, woer mit Befremden feststellte:>> Man kommt hinzu, tanzt undnimmt irgendeine Beliebige mit nach Haus«[ Rodtschenko,138]. Die westliche Warenwelt erschien ihm als die Welttotaler Käuflichkeit, wo sich jede Frau und jede Sache wieeine Prostituierte verhält. Sie blitzt, funkelt schön und sexyin ihrer Verpackung und bietet sich schamlos anderen an.Von diesem Standpunkt ist die Werbung verlogen undKritik und Spott ausgesetzt. Noch vor seiner Reise in denWesten 1922 hat Rodtschenko für die Zeitschrift» Kino-phot<< eine Kollage aus Fragmenten von Werbephotosgemacht. Dort wechseln sich die Abbildungen vonProdukten mit Photos von Pärchen ab, auf denen die Fraukokett und mit Hilfe diverser Gesten offensichtlich ihrenPartner herausfordert. Über allem thront das aus einerZeitung ausgeschnittene Wort:»> überredet«<; weiter untenist ein für damalige Zeiten luxuriöses Badezimmerabgebildet. Über der Abbildung steht, wie ein negierenderStrich, der Satz»> Schont den Arbeitslohn«. Seitdem nahmdie russische Kunst wohl nie mit einer solch unabhängigironischen Haltung Bezug auf die Werbung: Sogar die inAmerika angekommenen Soz- Art- Künstler der 70er Jahreließen sich eher verlegen und scherzhaft auf die Werbungein, als sich hochmütig von ihr fern zu halten. Dennochwissen wir, daẞ Rodtschenko viel Zeit und viele Kräftegerade der Arbeit in der Werbebranche gewidmet hat,indem er immer wieder den gereimten Slogan> Nirgendshin komm, als ins Mosselprom«*- von seinemFreund Majakowskij ausgedacht- visualisierte. Warumhielt er diese Tätigkeit für sich nicht nur für annehmbar,sondern gar für ehrenvoll?