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Gobelins des Lebens
höfischen Szenen die Spuren eines armseligen Alltagszieren, erscheint in unserem Zusammenhang als passendeMetapher für die Beschäftigung mit der Unterwäsche einersowjetischen Epoche. Das Fundstück und die sowjetischeUnterwäsche im allgemeinen haben allerdings zweier Para-meter bedurft, um sich unbelastet mit ihnen beschäftigenzu können: der Überwindung der Verhältnisse und äußerenBedingungen ihres Entstehens und ursprünglichen Ge-brauchs und der reflektierenden Betrachtung ihrerÄsthetik. Beiden Voraussetzungen ist die Ausstellung>> Gedächtnis des Körpers« verpflichtet und zu danken.Verschiedene Motive haben uns bewogen, dieAusstellung» Körpergedächtnis<< nach Wien zu bringen.Der intellektuelle und emotionale Zugang zum Themaentspricht unserem eigenen Verständnis kulturwissen-schaftlichen Arbeitens. In den letzten Jahren waren imÖsterreichischen Museum für Volkskunde mehrfachAusstellungen zu sehen, die in einer Verbindung vonwissenschaftlichen und künstlerischen Aspekten einenMehrwert gefunden haben.» Das Gedächtnis des Körpers<<setzt hier einen weiteren Akzent. Wie schon bei derAusstellung>> Leben in der Platte zur Alltagskultur derDDR im Jahr 1999 geht es auch dieses Mal um deneuropäischen Kontext in einem sich politisch, wirtschaft-lich und kulturell neu formierenden Kontinent. KulturellerErfahrungsaustausch hilft bei der Suche nach demFremden im Eigenen und dem Eigenen im Fremden.Und schließlich liegt im Umgang mit Unterwäsche selbstin unserer entmystifizierten, enttabuisierten Gesellschaftnach wie vor ein gewisser sinnlicher Reiz, selbst wennes sich nicht um sog. Reizwäsche handelt, und sie immusealen Umfeld sowieso jeglichen Utilitarismus in dieeine oder andere Richtung entkleidet ist, um in der Diktiondes Anziehens und Ausziehens zu bleiben.
Daß während der Ausstellungsvorbereitungen imNovember 2002 in Österreich Nationalratswahlen
stattgefunden haben, bei denen das KPÖ- Wahlplakat einerote Unterhose mit Hammer und Sichel zierte sowie dieSlogans>> exklusives Sonderangebot« und»> wechseln Siewenigstens die Partei«, bestätigt unser ethnographischesWissen um die Symbolkraft der Dinge über die wirverhandeln.
Dank
Der Dank des Österreichischen Museums fürVolkskunde geht an die beiden Kuratorinnen, an jene, diedas Projekt in Rußland unterstützt haben, allen voran dasGoethe- Institut in St. Petersburg, an das StaatlicheMuseum für die Geschichte St.Petersburgs für die guteKooperation, sowie an die Übersetzer des Kataloges. Fürmaßgebliche Förderungen und Sponsorship danken wirdem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft undKultur, sowie den Firmen Palmers und Wolford. An derUmsetzung des Projekts in Wien haben sich mehrereInstitutionen engagiert beteiligt. Wir danken cp architektur,Unit F büro für mode, den Leiterinnen und Teilnehmerinnendes ECM- Universitätslehrgangs für Kunst-/ Kulturver-mittlung an der Universität für angewandte Kunst in Wienund allen Kolleginnen und Kollegen und Freunden fürkreative Gespräche und Ratschläge aller Art.