Druckschrift 
Körpergedächtnis : Unterwäsche einer sowjetischen Epoche ; [eine Ausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien ... ; 20. März bis 3. August 2003] = Pamjat′ tela : nižnee bel′e sovetskoj ėpochi
Entstehung
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Russische Wäscheimpressionen: männlich

Wien, Anfang der 80er Jahre. Ein junger Kunst-student¹²- immer irgendwo auf der Suche nach demBesonderen, nicht unbedingt nach dem Notwendigen-findet auf einem Pfarrflohmarkt eine weiße langeMänner( unter) hose mit einem verwaschenen Stempel-druck in cyrillischer Schrift, der irgendwie an>> Hobo<erinnerte( und damit an jene sozialromantischenSchilderungen von amerikanischen Landstreichern wie sieMark Twain beschrieb und Pete Seeger besang) und dieJahreszahl» 1940«[ Abb. Seite 9]. Diese beiden» Beschrei-bungen« verliehen der Hose bereits eine erste Geschichteund riefen eine Reihe von Vermutungen wach, die in denErzählungen von Eltern und Großeltern nach Ergänzungensuchten.

So bestätigte die Großmutter denn auch, daß jenerussischen Besatzungssoldaten, die in ihrem Hauseinquartiert waren, solche Hosen getragen hätten, undrasch knüpften sich ihre schon oft erzählten Geschichtenan die eigenen Vorstellungen. Vielleicht hatte diese Hoseeinem Russen gehört, der damals meinte, die Familiekönne sie nun besser gebrauchen als er selbst? Vielleichtwurde sie von den Besetzten selbst» einbehalten«<?Vielleicht hatte ein Soldat sie eingetauscht gegen eineHose aus» heimischer Produktion, vielleicht wurde siebeim Abzug zurückgelassen, um das Marschgepäck zuerleichtern? Am verlockendsten erschien dem Studentendamals jene Interpretation, daß sie vierzig Jahre zuvor einjunger Soldat getragen hatte, der damals vielleichtgenauso alt gewesen sein mochte, wie er heute.

In den folgenden Jahren diente» die russische Hose<< alsMalerhose, als Sommerhose, als Stadthose. Kurz: Sie warvon einer gestärkten Unterhose zu einer leichten Überhosemutiert. Manche fanden sie»> sexy«, manche originell,

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St.Petersburg, Juni 1999. Bootsfahrt auf der Fontanka.Im Blick die Anitschkow- Brücke und das Belosselskij-Beloserskij- Palais. Fotos: privat

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