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Gobelins des Lebens
in einem Sammelband über Zeichen und Zumutungendes Alltags. In Betracht ziehen sollte man auch dieTatsache, daß kulturelle Veränderungen häufig durchtechnische Erneuerungen hervorgerufen werden, bzw.ihr Ausbleiben auch das Ausbleiben von Dynamik inder Sachkultur bewirkt. Man denke an den Boom beiUnterwäsche und Strümpfen, den die Erfindung vonfür Textilien verwertbaren Kunstfasern hervorgerufenhat und die ständige Veränderung entsprechenderProdukte durch technisch immer perfektere Materialien.³Für manche Wäschestücke genierte man sich imkindlichen Umfeld der Schule oder in jugendlichenSituationen erster Sexualerfahrungen zeitversetzt in Ostwie West. Die im Katalog beschriebenen aufgerauhtenwarmen Damenschlüpfer mit Gummizug am Bein insagenhaftem Braun oder Grau gehörten unter derBezeichnung» Liebestöter« auch hierzulande zur winter-lichen Wäscheausrüstung und wurden hier wie dort vonMüttern gefordert und von Töchtern gehaßt. Der Inbegriffdes Frauenunterkleids der 1960er und' 70er Jahre, diesog. Combineige- unvergessen als Standard- Kleidung dersich im Prater oder an der Alten Donau sonnendenweiblichen unteren Mittelschicht- tritt uns ebenfalls indieser Ausstellung entgegen, als sog.» kombinazija« mitwechselnden Bedeutungen. Heute trifft man die>> Kombinesch<< nur noch als Theaterrequisite und Inbegriffaltmodischer Unterwäsche an, etwa in Ödön von Horvaths>> G'schichten aus dem Wienerwald«<, wo sie die TrafikantinValerie beim Sonnenbad kleidet oder in Elfriede Jelineks»> Sportstück<< zur Charakterisierung der» alten Frau<<.
Körper. Gedächtnis. Körpergedächtnis
Der Körper ist heute ein zur Ikone stilisiertesStatussymbol geworden, ein Prestigeobjekt jenseits
der üblichen Konsumgüter, das es zu formen und inSzene zu setzen gilt. Die Mehrzahl der realen mensch-lichen Körper entspricht dem heute gefordertenHabitus jedoch selbst unter Einsatz der raffiniertestenwäschemäßigen Selbstinszenierung nicht. Hierklafft eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit,zwischen dem schlanken, durchtrainierten und demübergewichtigen, schlaffen Körper, zwischen demgenormten Gebrauchsartikel und dem exaltiertenModeprodukt, zwischen erotischem Marketing undunerotischem Gebrauch, zwischen weißen Baum-wollunterhosen und schwarzen Spitzentangas.Körperwahrnehmung hängt mit Körperinszenierungzusammen und mit den gesellschaftlichen Erwartungen,die in den mehr oder weniger befangenen oderunbefangenen Umgang mit Körperlichkeit gesetztwerden.
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Der Körper ist aber auch Einschreibefläche fürkulturelle Werte und Normen. Er ist ohne Bewußtsein,aber nicht ohne Gedächtnis." Der Körper ist gleichsamdas Medium des Gedächtnisses und als solches einErinnerungsraum. Der Körper erinnert nicht nurGeschmack und Geruch sondern auch die Materialitätdessen, was er auf dem Leib trägt: kratzendeWäsche, einschnürende Mieder, scheuernde Gummis,rutschende Träger. Er erinnert darüber hinaus auchsozial und kulturell geformte Empfindungen undGefühle wie Scham oder Begehren. Der Körperkennt Phantomschmerzen des Leibes und der Seele.Er kennt die Freuden eines wohlgefälligen Blicks,der auf ihm ruht, erinnert kühlende Seide undwärmende Wolle auf der Haut. Unterwäsche als dieerste Schicht, die den Körper vor der Umwelt schütztund bewahrt, trägt ebensolche Spuren derErinnerung. Die Ausstellung» Körpergedächtnis«< holtdiese Spuren ans Tageslicht.