2. Der Ruf zum Himmel: Formen der Verehrung
a.) Heimverehrung
Um über die heute noch gültigen Formen der Heimverehrung etwas in Erfah-rung zu bringen, müsste man- abgesehen von der Figur des Herdgottes- fastnicht nach China fahren, sondern es würde genügen, in einer beliebigeneuropäischen oder amerikanischen Großstadt ein China- Restaurant oder einGongfu oder Taiji- Studio zu besuchen. Dort wird man die Statue der buddhi-stischen ,, Göttin" der Barmherzigkeit antreffen, sowie den rotgesichtigendaoistischen Guandi in seiner Funktion als Reichtumsgott. Dazu kommen desöfteren noch Milefo, der lachende Buddha der Zukunft, dessen Bauch nachVolksmeinung so dick ist, dass er alles von der Welt enthalten( ertragen) kannund der über die irdischen Sorgen der Menschen lacht, wie gelegentlich auchDarstellungen der 8 Unsterblichen, welche in ihrer Funktion den 14 Nothelfernangenähert werden können.
Damit ist schon in gewissem Umfang der Bestand an heute in China üblicherVerehrung im Heim oder im Geschäft angesprochen. Dazu mag noch da unddort eine Statue kommen, die man von einer Pilgerfahrt mitgebracht hat-vielleicht Huangdaxian 49 oder den eigenen Stadtgott, von dem es wiederumda und dort Statuen gibt. In bäuerlichen Haushalten muss man aber noch denHerdgott dazurechnen, dessen Verehrung sich regeneriert hat, in gewissemAusmaß den Tudi, den Gott des Erdbodens sowie die ebenfalls als Schutzgei-ster verehrten Ahnen. Außerdem blicken vom Balkenzierat vieler chinesischerBauernhäuser oder vom Schnitzwerk der Kastenbetten und Schränke die Göt-ter für Glück, Reichtum und langes Leben herab. Auch dem Drachengott wirdzu für den Regen wichtigen Zeiten daheim im bäuerlichen Haushalt geopfert.Das Zhejiang TV hat erst vor einigen Jahren einen Dokumentarfilm mit demNamen gedreht:„ Hua Zhiping begeht das Mondneujahr". Es handelt sichdabei um die Österreicherin Gertrude Wagner, welche in dem kleinen DorfHucang bei Dongyang lebt. Es wird darin gezeigt, wie die SchwiegertochterFrau Wagners anlässlich des Mondneujahrs dem in einer Nische über demHerd thronenden Herdgott den gebührenden Respekt bezeugt. Wie in denmeisten Haushalten war aus Anlass der Feiertage ein Schwein geschlachtetworden, von dessen besten Stücken nun dem Herdgott angeboten wurde.Darauf erfolgte der laute Ruf„ Er hat es gegessen" in der Annahme, dass die-ser wichtigste Haushaltsgott damit zufriedengestellt sei. Die anhaltendeBedeutung des Herdgottes wird auch durch die heutige chinesische Bauern-malerei dokumentiert, wie etwa die aus dem Kreis Xinji der Provinz Hebei, vonder hier eine Probe abgebildet ist.
Der Herdgott hat in der Heimverehrung deshalb eine solch dominante Stel-
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