steht auch Schlafen bei dem, was in China als angenehm befunden wird, inhoher Gunst. Bis zu dem vor einigen Jahren erfolgten Verbot des Beamtenmit-tagsschlafes dienten in den Büros die Schreibtische um die Mittagsstunde alsprobate Schlafstätten. Dazu muss sich ein Himmlischer nicht bequemen. Ihmwird im Tempel ein besonderes Schlafzimmer errichtet, welches nur zubestimmten Zeiten für Beter zugänglich ist, damit der Gott nicht unbilliggestört wird. In diesem Schlafzimmer befindet sich auch die Frau des Gottes,denn Junggesellendasein wird auch bei Göttern als unnatürlich empfunden.So etwa wird der Herdgott innerhalb der Hausverehrung in der chinesischenFamilie fast nie ohne seine Gemahlin dargestellt.
Für Herrn Gott und Frau Gott gibt es in der Provinz Fukien ein Beispiel. Dortlebte im zehnten Jahrhundert ein gewisser Guo Zhongfu, der als„, verehrungs-würdiger Herr des allumfassenden Mitleids" kanonisiert wurde. Posthum such-te sich Guo die hübsche Tochter eines Daoisten als Braut aus. Er ließ im Flussein Armband treiben, welches das Mädchen nicht mehr ablegen konnte. EinWindstoẞ blies sie in den Tempel, wo sie starb und die Frau des Gottes wurde.Das Ehebett musste jeden Tag gemacht werden, und nach Überzeugung derBevölkerung bekam das Paar dreizehn Kinder, deren Statuen in Filialtempelnaufgestellt wurden.30
Wie die Irdischen haben die Götter auch großes Vergnügen am Theater. Vorallem am Geburtstag des lokalen Gottes, der mit einem Tempelfest begangenwird, spielen Theateraufführungen, an denen sich nicht nur die Pilger sondernvor allem die Götter erfreuen sollen, eine großen Rolle. Dazu wird im Tempel-hof eine Bühne errichtet. Ein anderer Anlass für solche Aufführungen ist dasMondneujahr. Gespielt wird von Opern- oder von Schattenspiel- oder Pup-penspieltruppen ,, Der Himmelsbeamte bringt Glück", ein Stück, bei dem auchder Gott des Langen Lebens und die He He, die Genien der Eintracht, auftre-ten.31
So wie im realen Leben spielte auch bei den Göttern Kameraderie, die bis zumAmtsmissbrauch gehen konnte, eine nicht unwichtige Rolle. ,, Guanxi"( Bezie-hungen) brauchte gelegentlich auch der chinesische Kaiser, der wohl Götteravancieren und degradieren lassen, doch über die Länge seines eigenenLebens nicht bestimmen konnte. Man erzählt sich, dass der Tang- Kaiser Tai-zong( 627-49) nach seinem Tode wieder auf die Welt zurückgekehrt sei. Beiseinem Ableben bekam er von seinem Minister Wei Zheng einen Brief an ZuiQiu, den Archivar der Unterwelt mit. Wei bat seinen alten Freund, er mögedem Kaiser helfen. Als dieser in der Unterwelt anlangte, verbeugten sich dieKönige der zehn Höllen vor dem Kaiser. Dann wurde das Buch des Lebens her-angebracht und der Archivar vertauschte rasch die Zahl der Lebenserwartungdes Kaisers durch Hinzufügung von zwei Pinselstrichen. Der dankbare Kaiserversprach dem Höllenfürsten Melonen aus dem Süden. Ein Freiwilliger verübte
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