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Herdgott und Habergeiss : Leben und Brauch in China und Österreich ; ein Vergleich in Bildern und Sachen ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung Wien
Entstehung
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- oder gar nichts- berichten. Ganz Gewitzte sollen früher sein Bildnis sogar in Wein getauchtoder ihm noch Berauschenderes verabreicht haben, so daß er vom Jadekaiser zwecksAusnüchterung aus dem Rat der Götter verwiesen werden mußte.

Vom alten Rituell haben sich nur noch Teile erhalten. Nach der Verabschiedung desKüchengottes blieb die Familie sieben Tage ohne" Aufsicht", hatte aber auch kaum Zeit,Schlimmes anzustellen, denn nun wurde in der Wohnung das Unterste zuoberst gekehrt undjeder Winkel geputzt. Wohlhabende Familien erneuerten sogar Tapeten und Papierfenster.Dann wurden die Einkäufe erledigt und die Speisen vorbereitet, das Schwein geschlachtetund Sojabohnenkäse auf Vorrat produziert. Schließlich, am letzten Abend, nachdem manneue Türbilder angeklebt und sich die ganze Familie versammelt hatte, wurde das Tor mitroten Streifen versiegelt. Das Glück sollte im Haus bleiben. Aus demselben Grund durftenun einige Tage nichts hinausgekehrt werden. Hackmesser, Scheren und andere scharfeInstrumente waren tabu, sie hätten das Glück zerschneiden können. Ängstlich war manbemüht, nur glückbringende Wörter zu verwenden- auch heute noch achtet man darauf.Alles, was eine schlechte Doppelbedeutung haben könnte, ist zu vermeiden. Bei den vielengleich oder ähnlich lautenden Wörtern verschiedener Bedeutung in der chinesischenSprache kein leichtes Unterfangen! Was aber, wenn ein Kind in seiner UnwissenheitUnerwünschtes in den Mund nahm? Da half und hilft noch immer der rasch hingeworfeneSatz: Kinderworte zählen nicht!

Zu vermeiden war alles, was mit dem Tod zusammenhing. So sollte man auch nicht vonBeamten sprechen, denn guan- Beamter kann auch Sarg bedeuten. Zerbrechen, zerschlagen,zerstreuen alle diese Wörter könnten ein schlechtes Omen sein und das Glück des neuenJahres beeinträchtigen. Deshalb durfte man nicht einmal von einem harmlosen Gegenstandwie einem Schirm sprechen. Schirm heißt san, was auch soviel wie zer- oder verstreuenbedeutet, und das hieße, das Glück zu zerstreuen.

Neben den Türgöttern, welche die äußeren Türflügel des Hauses schmücken, trifft manauf wiederum paarweise angebrachte Reichtumsgötter- caishen, um welche sich wiederumviele Legenden ranken. Besonders interessant ist die Geschichte des Bi Gan, Onkel desletzten Kaisers der Shang- Dynastie, der dem Kaiser ob dessen unmoralischen LebenswandelsVorhaltungen gemacht haben soll. Daraufhin habe ihm die grausame Geliebte des Kaisersdas Herz herausreißen lassen. Er avancierte zur Gottheit, die Herzlosigkeit ist geradezu eineBestätigung der Legende, denn Reichtum wird ja nie nach Bedürftigkeit verteilt

Auf den Türen zum Schlafgemach findet man, vor allem bei jungen Paaren, dasFabelwesen Qilin als Kinderbringer, sozusagen ein chinesischer Klapperstorch, oft auch diebeiden Genien der Eintracht He- he. Überall trifft man auch auf die acht Unsterblichen, amehesten unseren Nothelfern vergleichbar, die zudem Schutzpatrone für verschiedeneBerufgruppen sind.

Aber das Spektrum der Neujahrsbilder geht weit über all diese Götter- und Fabelgestal-ten hinaus. Alles, was Freude bringt, ist anzutreffen: Bilder aus der Natur, dem täglichenLeben, von fröhlichen Kindern, aber auch Themen aus der Geschichte, der Literatur, demTheater. Deshalb kann man Neujahrsbilder nur in einer Hinsicht eingrenzen: alle Darstel-lung von Häßlichem, Tragischem, Bösem sind strikt ausgeschlossen.

Die schönen und guten Dinge hingegen, die man der eigenen Familie und Freundenwünscht, werden oft nicht direkt, sondern durch Symbole dargestellt, die dem Nichteinge-weihten merkwürdig anmuten mögen, weil sie auf der gleichen Aussprache von Wörtern mitverschiedener Bedeutung herrühren. Hier einige Beispiele:

Frieden: he- ping, dargestellt durch Lotos, Vase und Apfel, die he bzw. ping ausgespro-

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