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Herdgott und Habergeiss : Leben und Brauch in China und Österreich ; ein Vergleich in Bildern und Sachen ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung Wien
Entstehung
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überall herrscht Feststimmung. Nur an Schlaf ist nicht zu denken! Denn zum Lärm derFeuerwerkskörper kommen noch die Trommeln und Gongs, welche die halbe Nachtgeschlagen werden. All dies dient dem Zweck, die schreckhaft bösen Geister zu vertreiben.Denselben Ursprung hatten Drachen- und Löwentänze, die mittlerweile auch im Auslandbekannt geworden sind.

Das Verschwinden eines anderen Brauches wird kaum Bedauern auslösen, einesBrauches, durch den früher für viele das Herannahen des neuen Jahres mit Angst undSchrecken verbunden war. Durch den Zwang, vor dem Jahresende alle Schulden begleichenzu müssen, brach für unzählige Arme eine Zeit der Verzweiflung an, und der Ausweg hieẞnur zu oft Flucht oder Selbstmord. Wohl wird man auch heute trachten, seine finanziellenAngelegenheiten vor Neujahr in Ordnung zu bringen, aber verzweifeln muß niemand mehr.Für diesen Tag leistet sich jeder besonders gute Speisen, auch neue Kleider. Man schenktund empfängt Geschenke. Vor allem für die Kinder ist deshalb dieses Fest mit besonderenErwartungen verknüpft.

Wie eingangs erwähnt, finden sich- manche Bräuche mehr auf dem Lande als in derStadt. Überall findet man die duilian oder chunlian, die, mit dem Pinsel schön auf rotesPapier geschrieben, zu Neujahr beidseitig der Tür angebracht werden und im völligenWortparallelismus Gutes und Erbauliches für das neue Jahr beinhalten. In ganz Chinawerden in den letzten Tagen des alten Jahres Verkaufstände errichtet, welche diese rotenStreifen neben anderen Artikeln wie Glücksgeld, Scherenschnitten und natürlich Neujahrs-bildern anbieten.

Die ältesten Neujahrsbilder- die Türgötter- erfreuen sich noch immer großerBeliebtheit. Zu ihnen sind später viele andere Motive gekommen. Aber wie sich dieDarstellungen auch im Laufe der Zeit gewandelt haben mögen, immer sollten sie denWunsch der Menschen nach Ruhe, Frieden, Wohlstand und Wohlergehen zum Ausdruckbringen. Eine ihrer Hauptfunktionen war das Vertreiben von Dämonen- diese waren zuNeujahr besonders gefährlich-, eine andere, die guten Geister herbeizurufen. Von beidengab es in China Legionen. Mit dem chinesischen Sinn für Ordnung wurden diese himmli-schen( oder höllischen) Heerscharen in eine Art Verwaltungsapparat eingegliedert, der demirdischen nicht unähnlich war. Da gab es eine Vielzahl von Ministerien, Ämtern, Abteilungenund Unterabteilungen, und es war durchaus möglich, in der Hierarchie aufzusteigen oder ineine ganz andere Abteilung versetzt- vielleicht strafversetzt zu werden. Zum andernähnelte dieser himmlische Apparat seinem irdischen Gegenstück auch darin, daß er sichfortwährend vergrößerte. So konnten Sterbliche durch spezielle Fähigkeiten oder Leistun-gen Unsterblichkeit erlangen. Als Beispiel mag Guan Yu dienen. Er war ein berühmterGeneral zur Zeit der Drei Reiche( 220-280) und gelangte später als rotgesichtiger KriegsgottGuan Di ganz hoch hinauf in der Götterhierarchie.

Ein anderer Gott, allerdings niedrigerer Rangstufe- weshalb er auch im erlauchtenKreis nicht aufscheint-, ist Zaojun oder Zaowang- ye, der Küchengott. Gerade er aber istmillionenfach gegenwärtig, auch heute noch ist er über vielen Kochstellen angebracht,darunter ein Weihrauchgefäß, flankiert von zwei Kerzenständern mit roten Kerzen. Ein Jahrlang wachte Zaowang- ye über die Familie, notierte Gutes wie Böses.

Eine Woche vor Neujahr wird er verabschiedet und fährt- mittels feierlicher Verbrennungim Hof- zur Berichterstattung zum Jadekaiser im Himmel.

Hatte sich die Familie womöglich auch das Jahr über nicht viel um ihn gekümmert, sogilt es jetzt umso mehr, ihn günstig zu stimmen. Darum erhält er neben Weihrauchopfern,besonders viel Süßes und Klebriges, das ihm den Mund verschmiert. So kann er nur Süßes

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