der von den Eltern oder Vormündern zu unterzeichnen war, die Annahme der Hochzeits-geschenke durch die Familie der Braut und der Transport der Braut in das Haus desBräutigams. Zu den sechs Zeremonien gehörten 1. kleine Geschenke, 2. die Frage nach demNamen, 3. die Zahlung des Verlobungsgeldes, 4. die Bitte zur Festsetzung des Tages, 5. dieÜbersendung einer Gans, 6. die Abholung der Braut. 26 Die Familie der Braut hatte allesbereitzustellen, was man für den Haushalt braucht. In der Prozession, welche die Möbeleinen Tag vor der Übersiedlung der Braut zum Haus des Bräutigams trägt, wurde oft alserstes der Leibstuhl getragen. Da kein Gegenstand leer bleiben durfte, füllte man ihn mitEiern oder Granatäpfeln.27
Der Tradition nach hatte die Braut einen oder mehrere Tage vor ihrem Auszug aus demväterlichen Haus zu weinen und zu wehklagen. Von ihrer Mutter wurde sie am Tag ihrerAbreise mit den ehelichen Pflichten vertraut gemacht oder erhielt dafür ein einschlägigesBuch.28 In den Dörfern um Peking war es üblich, daß die Braut von ihrer Mutter einenLeibschurz erhielt, an dessen Innenseite ein erotisches Bild angebracht war. Dieses Bildhatte aber nicht nur instruktiven, sondern auch magischen Charakter, denn der Schurz sollteerst nach Eintritt der Schwangerschaft abgelegt werden.29
In ganz China war es üblich, die Brautsänfte gründlich auf böse Geister zu untersuchen
q. Himmel- und Erde- Tisch
bevor sie von der Braut bestiegen wurde. Als Inspizienten eigneten sich besonders Ehefrauen,deren Gatten noch am Leben waren und welche Kinder geboren hatten. Um ganz sicher zugehen konnte man außerdem auf den Sitz der Sänfte einen Spiegel legen, um den Dämon vorsich selbst zu schrecken. 30 In Südchina sollten Glöckchen und Spiegelchen, welche man amBrautkleid festmachte, ähnlichen Zwecken dienen.31 Beim Verlassen des Elternhausesdurfte die Braut nicht die Schwelle berühren, weil sonst ein Verlangen nach Rückkehr beiihr zurückgeblieben wäre.32 Niemand konnte ihr Gesicht sehen, wenn sie in die Sänfte stieg,denn es war mit einem roten Tuch verhüllt worden, das nur der Bräutigam abnehmen durfte.
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