Figürchen dargestellt 10. Schwäbische Kleinkünstler wie Anton Sohm inZizenhausen dagegen erfreuten die biedermeierlichen Zeitgenossen wiedermit ihren karikierten Musikertypen 11. Zu den Kleinplastiken gibt es nichtselten gestochene oder gemalte Gegenstücke, und wie diese Darstellungennun voneinander abhängig sein mögen, das läßt sich nicht immer ganzdeutlich erfassen. Daß die Kupferstiche„ in Callots Manier", um mitE. T. A. Hoffmann zu sprechen, vielfach anregend gewirkt haben, ist abersicher.
Manche Züge sind weit verbreitet, manche sicherlich enger landschaft-lich eingegrenzt. Die schielenden oder buckligen Zwergfiguren waren eineZeitlang geradezu internationaler Brauch. Die krummen und kropfigenFiguren sind wohl längere Zeit mehr den Alpenländern eigen gewesen.Kropfige Männer als Bank- oder Tischhalter hat man damals ebenso gestal-tet wie kropfige Frauenspersonen an den Wetzsteinkumpfen. Nachbar-schaftsspott hat hier ebenso beigetragen wie die Erinnerung an Vierzeiler,an possenhafte Spottlieder. Bis allmählich, erst in unserem Jahrhundert,die Kropfleiden wirklich wirksam bekämpft werden konnten, blieben sol-che erzählten, gesungenen oder eben auch geschnitzten Kropf- Schwänke inmancher Landschaft bis an die Gegenwart heran lebendig 12.
Meist betrachtet man diese grotesken Einzelfiguren und motivverbun-denen Gruppen nur vom Gesichtspunkt der Herstellung aus, wo dennsolche Seltsamkeiten als Hausgewerbe, mitunter sogar als frühe Reiseanden-ken gefertigt worden sein mögen. Es drängt sich aber doch wie bei allensolchen Grotesken in Callots Manier" der Gedanke auf, die Frage, inwelche Richtung dieser Spott an den Armen, an den mehr oder minderechten Invaliden, den Bettlern, den Wanderhändlern eigentlich führensollte. Gewiß, vor allem die Barockzeit gliederte das„ Volk" gern theatra-lisch auf. Es bedurfte solcher stark profilierter Typengestalten, die sichvon einer strahlenden, unberührbaren Oberschicht drastisch genug abhebenmochten. Das war weniger böswillig als zeittypisch gemeint: Der Kon-trast, das schroffe Hell- Dunkel herrschte auch gesellschaftlich, nur wo vielSchatten, da auch viel Licht 18. In der Praxis des Theaters, des Volks-brauches machte sich all das geradezu vordringlich bemerkbar. Die vielenFormen des„ Tandelmarktes" etwa, wie ihn Johann Valentin Neiner in
10 Arthur Haberlandt, Die Holzschnitzerei im Grödener Tal(= Werkeder Volkskunst, Bd. II, Wien 1915, S. 1 ff.).
11 Wilhelm Fraenger, Der Bildermann von Zizenhausen. Erlenbach-Zürich und Leipzig 1922.
12 Leopold Kretzenbacher, Die kropfeten Steirer. Historischer Lan-desspott und alte Volksmedizin( Blätter für Heimatkunde, Bd. 22, S. 73 ff.,Graz 1948).
13 Torsten Gebhard, Hell und dunkel in der Volkskunst( BayerischesJahrbuch für Volkskunde, 1950, S. 65 ff.).
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