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Die Groteske in der Volkskunst : Ausstellung im Praemonstratenserstift Geras ; Katalog
Entstehung
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Vorwort

Unter dem Titel Die Groteske in der barocken Kunst" wird 1975 imStift Altenburg im niederösterreichischen Waldviertel eine große Ausstel-lung dargeboten. Als Niederösterreichische Landesausstellung umfaßt siebedeutende Bestände grotesker Kunst, die vom kunsthistorischen Gesichts-punkt aus gesichtet und dargeboten werden.

In dem nur etwa 25 km von Altenburg entfernten Praemonstratenser-stift Geras, an der Grenze von Wald- und Weinviertel gelegen, hat mandie Situation überdacht. In Geras beschäftigt man sich schon seit Jahrenmit Volkskunst. Kurse für Hinterglasmalerei etwa haben hier stattgefundenund unerwarteten Erfolg gehabt. Freilich sind diese Veranstaltungen bisherohne besondere wissenschaftliche Überlegung oder Kontrolle vor sich gegan-gen, nur ab und zu hat ein Vortrag etwa über Möbelmalerei stattgefunden.

Von diesen Bemühungen um eine Volkskunst im zweiten Dasein"ausgehend soll nun ein Weg zur Darbietung alter Volkskunst gefunden wer-den, schon um weitere Veranstaltungen stärker wissenschaftlich zu ver-ankern. Man hat deshalb einen Plan ausgearbeitet, rein volkskundlicheAusstellungen zu zeigen, um die Kursteilnehmer, aber auch andere Stifts-besucher mit dem großen Gebiet der alten Volkskunst näher vertraut zumachen. Daher kam also der Gedanke, zu der Grotesken- Ausstellung inStift Altenburg, die sich ja im wesentlichen auf die ,, Hohe Kunst" bezieht,eine ergänzende Veranstaltung durchführen zu lassen, die nun Die Gro-teske in der Volkskunst" zeigen soll. Das Gebiet, wie dem Kenner derVolkskunst durchaus bekannt, erweist sich immer wieder als bemerkens-wert groß, aber auch als eigentlich wenig erforscht. Es soll deshalb hierwenigstens in charakteristischen Proben einmal zur Geltung kommen.

Diese Proben nun stellt das Österreichische Museum für Volkskundezur Verfügung. In den zehntausenden der von ihm gesammelten Beständebefinden sich selbstverständlich genügend Objekte, die man ihren Motivenund ihrer Ausführung nach als grotesk" bezeichnen kann. Es ist fast selbst-verständlich, daß in mehr als 80 Jahren, seit das Museum durch MichaelHaberlandt und Wilhelm Hein gegründet wurde, auch Stücke oder ganzeGruppen dieser grotesken Volkskunst" mit eingebracht werden konnten.Da sich das Museum, das an sich der gesamten Volkskunde gewidmet ist,in manchen Jahren doch speziell der Sammlung und Erforschung des kom-plexen Gebietes ,, Volkskunst" widmete, ist dieser Bestand auch anteilmäßiggesehen garnicht klein. Gebiete wie die Hafnerkeramik oder auch das hüt-

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