und klingen jetzt wieder die verschiedensten Motive an, die man hier be-tonen muß: Als Nußknacker konnte und kann der Soldat auftreten. Eskann aber auch der Narr in irgendeiner Form sein, nicht minder aber auchdie Hexe oder der Jude oder auch der Bettelmönch. Gerade das Nuẞ-knackerthema, hier noch einmal angeschlagen, zeigt sogleich, daß man miteiner solchen Ausstellung über Niederösterreich, ja auch über ganz Öster-reich hinausgreifen kann und muß. Es konnten einmal Vergleichsbeständegezeigt werden, ob sie nun aus dem Südtiroler Fassatal oder aus dem schle-sischen Riesengebirge stammen, ob es sich um die köstlich- grotesken Nick-figuren aus der hessischen Rhön oder um balkanische Zierkeramiken handelt.
Das ganze Gebiet, das man also als„ Groteske in der Volkskunst"ansprechen kann, ist sehr vielschichtig. Es ist gut, wenn man schon miteinigen Blättern von Nürnberger Schembartläufern darauf aufmerksammachen kann, welche Bedeutung gerade die frühe Neuzeit für alle dieseDinge gehabt hat, wobei man Bauernspott und Türkendarstellung ebensomiteinbeziehen muß wie Judenspott und den Streit der christlichen Kon-fessionen, der seinerseits sehr lange Zeit zu bildhaften grotesken Auswüch-sen geführt hat. Dann kommt dazu, daß das Maskenwesen vielfach damalsneu geprägt wurde. Die grotesken Gestaltungen anthropomorpher Art, desSprechenlassens von verzerrten Menschengesichtern, von Fratzen aus Holzoder aus Ton haben seit der frühen Neuzeit manchmal Züge der antikenDämonengestaltung angenommen. Die„ Kleienkotzer", also die gewaltigenMahlgangsöffnungen der Mühlen etwa ebenso wie die ziervollen Fasson-hobel der Faẞbinder. Theriomorphe Gegenstücke dazu sitzen nicht seltenauf den Krücken der von den Hirten geschnitzten Stöcke oder auch aufden Griffen der von Messerschmieden gearbeiteten Waidmesser und Metz-gerbestecke. Da kommt freilich auch die lange Tradition der Zunftzeichendazu.
Ein besonderes, kaum ausschöpfbares Thema ist das des Typenspottes.Es tritt fast immer auf, reicht von der antiken Kleinplastik bis zur moder-nen Zeitungs- Karikatur, hat sich aber doch in den Gestaltungen der bil-denden Volkskunst seit der frühen Neuzeit besonders stark erhalten. Eswaren die vielfältigen Typen, die auf den Landstraßen, vor den Kirchen,bei den Toren, an denen die Klostersuppe ausgeschenkt wurde, immer zusehen waren. Die Wanderhändler also ebenso wie die kleinen Zinsbauern,aber auch hier wieder Geistliche und Juden, abgedankte Soldaten undLandstreicher, und sie alle können in Kleinplastiken, aber auch auf Stock-aufsätzen, an Schlittenköpfen verzerrt dargestellt sein. In manchen Gegen-den haben sich kleine Hausgewerbe dafür entwickelt. Die Fassaner im süd-lichsten Südtirol etwa haben die Typen der„ Törcher", der landesüblichenTiroler Landstreicher in ihrem zerlumpten Gewand sehr gern in staffiertenJ. H. F. Kohlbrugge, Tier- und Menschenantlitz als Abwehrzauber.
Bonn 1926.
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