oder auch Hans Sachs an Spott verschiedenster Art über Krumme undLahme, über Blinde und Einäugige, über Schielende und Kropfige aus-geschüttet hatten, um zu verstehen, daß diese Ergüsse lange Zeit fortlebenmußten 4. Volkstümlicher Witz, Nachbarschaftsspott, drastische Vierzeiler,sie alle haben derartige Motive immer wieder aufgenommen und weiter-gegeben.
Die sammlerische Volkskunde hat Bestände der bildnerischen Volks-kunst, die damit im Zusammenhang stehen, von Anfang an in die Händebekommen. Wenn man Trachten und Trachtenbilder sammelte, dann konnteman vor Jahrzehnten unschwer auch Spottbilder wie etwa eines vom,, Passauer Tölpel" in die Hand bekommen, einer im niederbayerisch- ober-österreichischen Bereich wohlbekannten Schwankfigur, der man im Bildenoch eine derbe bäuerliche Braut zugesellte 5. Das war dann auch schonBauernspott, der sich all die Jahrhunderte hindurch nicht verlor 6. An sol-chen Proben wurde das Österreichische Museum mit der Zeit geradezureich. In den zehntausenden der von ihm gesammelten Bestände sind Pro-ben aus den verschiedensten Bereichen der Volkskunst nicht nur vorhan-den, sie haben so manches Gebiet auch schon speziell betont gezeigt. DieHanswurst- Darstellungen auf Gmundner Majolikakrügen gehören ebensohierher wie die mehr oder minder grotesk geschnitzten Schlittenköpfe, unterdenen man beispielsweise den Vogel finden kann, der sich bei der eigenenNase nimmt, die ihm aus der Brust herauswächst 7.
Von den Masken selbst, den Mascarons, maskenartig geschnitzten odergeformten Volkskunstobjekten, war dieses groteske Element immer schonbekannt. Andere Gruppen solcher grotesk anmutender Volkskunst wurdenund werden im allgemeinen kaum gezeigt. Eine Ausnahme bildete die kleineSchau ,, Nußknackersuite", welche unter dem von E. T. A. Hoffmann ebensowie von P. I. Tschaikowskij genommenen Namen die vielfach sehr gro-tesken Nuẞknackerformen einmal zusammengestellt zeigte 8. Da klangen
Wilhelm Fraenger, Der Bauern- Breughel und das deutsche Sprich-
wort. Erlenbach- Zürich und Leipzig 1923.
5 Michael Haberlandt, Österreichische Volkskunst. Bd. II, Taf. 119,Wien 1911.— Vgl. weiter Rudolf Kubitschek, Der Passauer Tölpel( Sudetendeutsche Zeitschrift für Volkskunde, Bd. 6, S. 192 ff., Prag 1933).Derselbe, Allerlei Bayerisches und Böhmisches. Volkskundliche Aufsätze.Winterberg im Böhmerwald 1939, S. 18 ff.( Wiederabdruck des oben erwähntenArtikels).
6 Johannes Bolte, Der Bauer im deutschen Lied. 32 Lieder des 15. bis19. Jahrhunderts(= Acta Germanica, Bd. 1, S. 179-303). Berlin 1890.- AdolfBartels, Der Bauer in der deutschen Vergangenheit. 2. Aufl., Jena 1924.
7 Leopold Schmidt, Der Vogel Selbsterkenntnis. Zwischen Volkskunstund Redensart( Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, N. S., Bd. VI, Wien1952, Kongreẞheft, S. 134 ff.).
8 Derselbe, Kleine Nußknackersuite im Österreichischen Museum fürVolkskunde( Österreichische Ärztezeitung, Bd. 26, H. 10 vom 25. Mai 1971,S. 1047 f.).
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