Druckschrift 
Sammlung religiöse Volkskunst mit der alten Klosterapotheke im ehemaligen Wiener Ursulinenkloster : Katalog
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

abzugeben. Die Klosterapotheken dagegen konnten sich nur das in der Tradition begrün-dete Recht bewahren, die Arzneien für den eigenen Bedarf und zur Versorgung ihrerSpitäler und Anstalten selbst zu verwalten.

In der Barockzeit erlebte das Apothekenwesen eine allgemeine Blütezeit. Der Stan-desstolz und das barocke Lebensgefühl der vermögenden Apotheker äußerte sich in derrepräsentativen künstlerischen Ausgestaltung der Gewerberäume, die nunmehr dem Zeit-geschmack entsprechend mit Prunkmöbeln, wertvollen Gefäßen und Geräten eingerich-tet wurden. Reiche Wand- und Deckenmalereien standen thematisch in Beziehung zurFunktion dieser Räumlichkeiten.

Anselm Weißenhofer hat der künstlerischen Ausstattung der Wiener Apothekender Barockzeit eine eingehende Studie 2) gewidmet, in der er auf zwei bis in unsererGegenwart erhaltene und an Ort und Stelle verbliebene Klosterapotheken hinweisenkonnte, nämlich die in den Jahrzehnten zwischen 1750 und 1770 entstandene Anstalts-apotheke der Elisabethinen auf der Landstraße 3) und die sogenannte Giftkammer"der Apotheke der Barmherzigen Brüder in der Leopoldstadt.*) Beide Klosterapothekenweisen eine selbst für das 18. Jahrhundert außergewöhnlich reiche künstlerische Aus-gestaltung auf.

Bis vor kurzem galten diese beiden Apotheken aus der Barockzeit als die einzigenkulturgeschichtlichen Denkmäler dieser Art in Wien. Denn von den einstmals vorhan-denen barocken Einrichtungen der zu ihrer Zeit im Collegium Pharmaceuticum vereinig-ten elf bürgerlichen Apotheken fehlt heute jede Spur. Klassizismus, Biedermeier undspätere Modernisierungen haben hier die Erinnerung an ältere Apothekenausgestal-tungen ausgelöscht. Lediglich einzelne bedeutendere Einrichtungsgegenstände aus dereinst sehr berühmten, im 18. Jahrhundert aber aufgelösten Jesuitenapotheke sind nocherhalten geblieben und befinden sich heute in der Materialkammer der Apotheke Zumschwarzen Adler" auf der Landstraße im III. Bezirk. 5)

In diesem Zusammenhang ist es von Bedeutung, daß sich im Bereich eines anderenWiener Frauenklosters eine weitere Apotheke mit einem einheitlichen spätbarocken_In-ventar erhalten hat, die allerdings der Öffentlichkeit und der lokalgeschichtlichen For-schung bis vor wenigen Jahren völlig unbekannt geblieben ist. Erst durch den Ankaufdes Gebäudes des ehemaligen Ursulinenkonvents in der Johannesgasse im Jahr 1960durch die öffentliche Hand wurde dessen Hausapotheke wieder entdeckt.*)

Ebenso wie die Apotheke der Elisabethinen ist die Hausapotheke des ehemaligenUrsulinenklosters innerhalb des Konventsgebäudes gelegen und ausschließlich für denHausgebrauch bestimmt gewesen. Im Vergleich zu den wenigen überlieferten Barockein-richtungen in Wiener Klöstern ist die Ausstattung der Offizin der Ursulinen im ganzeneinfach gehalten. Die Bedeutung der Hausapotheke des ehemaligen Ursulinenklostersliegt damit nicht so sehr in ihrer künstlerischen Qualität als vielmehr in der Tatsache,daß sie als einheitliches und vollständiges Ganzes in ihrem originalen Raum erhaltengeblieben ist. Einzelnen Gegenständen kommt darüber hinaus ein besonderer dokumen-tarischer Wert zu: So stellen z. B. die bemalten Weichholzmöbel ein wichtiges Zeugnisdar für die bürgerliche Möbelmalerei in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, vonder heute ja nicht mehr allzuviel bekannt ist.

2) Anselm Weißenhofer, Die künstlerische Ausstattung von Wiener Apotheken der Barock-zeit,( Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich., Neue Folge Bd. XXIX, 1944-1948, S. 350- 364)3) Weißenhofer, a. a. O., S. 354 ff.; Dehio- Handbuch Wien, 3. Aufl. Wien- München1954, Seite 96.

4) Weißenhofer, a. a. O., S. 354, 358 f.; Dehio, a. a. O., S. 103.

5) Weißenhofer, a. a. O., S. 353; Leopold Hochberger und Josef Noggler, Ge-schichte der Wiener Apotheken(= Geschichte der Apotheken und des Apothekerwesens in Wien undden ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Bd. 2), Wien 1919, S. 84.

6) Dehio, a. a. O., S. 58.

12

123