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Sammlung religiöse Volkskunst mit der alten Klosterapotheke im ehemaligen Wiener Ursulinenkloster : Katalog
Entstehung
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Signaturen tragen und keinem Meister zuzuschreiben sind. Man hat mit Recht betont, daßdies in diesem Bereich eine allgemein festzustellende Eigenheit sei: Kaum eines dervielen Christus- als- Apotheker- Bilder in den österreichischen und bayrischen Klöstern istsigniert 2). Es handelt sich um religiöse Gebrauchskunst, um Andachtskunst, bei denApothekerbildern beinahe um ein geistliches Gegenstück zur Malerei der Ladenschilder,die ja auch bis auf ganz wenige Ausnahmen eine anonyme Kunst gewesen ist 48). In die-sem Sinn also kann man also schon hier von einer Art Religiöser Volkskunst" sprechen,einer religiösen Kunst für den klösterlichen Gebrauch. Die ungemein große Zahl dieserfarbig gefaßten Holzplastiken, die für ganz eigene Nischen bestimmt waren, muß in jahre-langer Arbeit geschaffen worden sein. Sie ist vermutlich nach spanischen Vorbildern anOrt und Stelle in Wien erstellt worden, nicht anders wie so viele namenlose Hauszeichen,Andachtsbilder usw., die wohl stilistisch ihr italienisches oder spanisches Barock- Kleidtragen, der Entstehung nach aber wohl einfach in Wien selbst anzusetzen sind. Es ist janur die Tatsache der Erhaltung eines so großen Reichtums, die hier zögern und zweifelnläßt: Die meisten Klöster, die nicht minder reich ausgestattet waren, hat die Aufklärungschon aufgelöst, besonders aber von dieser Art der Ausstattung befreit, so daß kaum einzweiter derartiger Komplex erhalten geblieben ist. Einzelbeispiele ähnlicher Gestaltunggibt es dagegen durchaus noch. So hat die Gestalt des in einem eigens als Kerker ausge-stalteten Raum leidenden Christus( es handelt sich um den in der Barockzeit sehr ver-ehrten Christus der Nacht vom Gründonnerstag auf den Karfreitag, den Christus imKerker") sein direktes Gegenstück im Servitenkloster in der Rossau. Der innere Zusam-menhang dieser religiösen Gebrauchskunst im Ursulinenkloster mit der Serviten- Devotionzeigt sich ja auch in der Aufnahme einer Plastik des hl. Peregrinus Laziosi unter dieNischenplastiken des Klosters 44): Das genaue Gegenstück dazu befindet sich immer nochals viel verehrtes Gnadenbild auf dem Altar der schönen Peregrini- Kapelle an der Ser-vitenkirche in der Rossau( errichtet 1727, erweitert 1767) 45). Gerade bei der Darstellungdieses Servitenheiligen hat die szenenhafte Gestaltung in einer Nische ihre stoffeigeneBegründung und begegnet dementsprechend mehrfach. Ein schönes Beispiel dafür ist derSeitenaltar mit dem hl. Peregrinus in der Pfarrkirche von Langau bei Retz in Nieder-österreich 46). Was in solchen Fällen lebensgroß dargestellt wurde, konnte aber zur glei-chen Zeit auch verkleinert, in die Kleinform der klösterlichen Andachtskunst, in die Formdes Spickelbildes, der Wachsbossierung usw. gebracht werden: Das zeigt aber unsereSammlung Religiöse Volkskunst nun mit besonderer Anschaulichkeit.

Die Geschichte des Klosters, in dem die Sammlung Religiöse Volkskunst untergebrachtist, die Frömmigkeitsgeschichte der Ursulinen überhaupt, bedingen also, daß die Gegen-stände der Sammlung in stärkerem Ausmaß mit ihrem Haus verbunden sind, als dies fürgewöhnlich bei Museumsobjekten der Fall ist. Die aus vielen Quellen stammenden Ge-genstände wiederholen gewissermaßen Motive, die in der barocken Ausstattung desKlosters und seiner Kirche schon gegeben waren. Sie erinnern an die Reliquien, an dieGnadenbilder, an die Altäre dieses Klosters und seiner Kirche. Die Klosterapotheke mit42) Rainer Schnabel, Pharmazie in Wissenschaft und Praxis. Dargestellt an der Geschichte derKlosterapotheken Altbayerns vom Jahre 800 bis 1800. München 1965.

43) Eberhard Holscher, Firmenschilder aus zwei Jahrtausenden. Malerei im Dienste der Wer-bung. München 1965.

44) Oswald Menghin, Die Verehrung des hl. Peregrinus in den österreichischen Alpenländern,mit besonderer Rücksicht auf Niederösterreich( Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, Bd. XI,Wien 1912, S. 117 ff.)

Gugitz, Das Jahr und seine Feste im Volksbrauch Österreichs. Bd. I, Wien 1949, S. 208 ff.45) Missong, wie oben, S. 176 f., mit Abb. auf Tafel.

46) Paul Buber 1, Die Denkmale des politischen Bezirks Horn in Niederösterreich. 1. Teil. DieDenkmale der Gerichtsbezirke Eggenburg und Geras(= Österreichische Kunsttopographie Bd. V) Wien1911, S. 234, Abb. 266.

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