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Sammlung religiöse Volkskunst mit der alten Klosterapotheke im ehemaligen Wiener Ursulinenkloster : Katalog
Entstehung
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Unter den Nischenplastiken befindet sich ferner eine Statue des lange Zeit hindurchungemein verehrten hl. Aloysius, des Jesuitenheiligen aus dem Hause Gonzaga( 1568 bis1591). Er wurde in Wien besonders in der Jesuitenkirche am Hof und in der Michaeler-kirche verehrt 36). Die Verehrung des hl. Aloysius im Ursulinenkloster verstärkte sichnach der zeitweiligen Aufhebung des Jesuitenordens( 1766) noch besonders, da dieKlosterfrauen damals von St. Anna herüber das Brevier des Heiligen erhielten, das spä-terhin im Schwesternchor aufbewahrt wurde 37). Der Pole Stanislaus Kostka( 1550- 1568),dessen Statue sich auch unter den Nischenplastiken befindet, kam aus Polen nach Wien,wohnte 1566 neben der Jesuitenkirche am Hof, erlebte hier das Wunder, daß ihm einEngel in schwerer Krankheit die Kommunion reichte, trat in Rom als Novize in denJesuitenorden ein, starb aber bald darauf. Seine Wohnung wurde schon knapp nachseinem Tod in eine Kapelle umgewandelt, die 1742 ihre heute noch erhaltene prächtigeBarockgestalt erhielt und eines der wichtigsten kleinen Heiligtümer Wiens darstellt 38).Ungefähr zur gleichen Zeit setzte auch die Verehrung des hl. Kasimir( 1458- 1484), desSchutzpatrones von Polen und Litauen ein, dem ebenfalls eine der Nischenplastiken ge-widmet war. Es zeichnen sich also in dieser Zusammenstellung von Heiligendarstellungendeutlich Schichten und Gruppen ab, deren religiöse und politisch- historische Herkunft zumTeil noch erfaẞbar ist. In vielen Fällen freilich handelt es sich um Zeugnisse großer be-stehender Verehrungen, deren Auftreten nicht weiter begründet zu werden braucht. Dasgilt beispielsweise für die großen Volksheiligen Franz von Assisi und Vinzenz Ferer, aberauch für die Pestpatrone Rosalia und Karl Borromäus, bei denen freilich auch die spe-ziellen verehrungsgeschichtlichen Fäden von Palermo beziehungsweise von Mailand nachÖsterreich nachgewiesen werden können. In der den heiligen Pestpatronen gewidmetenVitrine der Sammlung ist dies einigermaßen angedeutet worden 39). Schließlich muß auchauf jene Heilige hingewiesen werden, die den Ursulinen als klösterlichen Lehrerinnenbesonders wichtig sein mußten. Es sind dies außer der Ordenspatronin, der hl. Ursulavor allem der hl. Augustinus, dessen Verbildlichung über der einen Klosterpforte schonzu erwähnen war, und der sich auch unter den Nischenplastiken wiederfindet. Und essind dies ferner selbstverständlich die Ordensgründerin, die hl. Angela Merici( 1480 bis1540) und der hl. Franz von Sales( 1567- 1622), der durch die Gründung der Salesiane-rinnen das weibliche religiöse Leben der Barockzeit ungemein stark beeinflußt hat. Klo-ster und Kirche der Salesianerinnen am Rennweg, neben dem Unteren Belvedere des Prin-zen Eugen von Savoyen bezeugen in Wien diese Wirkung des gleichfalls aus Savoyenstammenden gelehrten Heiligen besonders deutlich 40).

Die geschnitzten und farbig gefaßten Figuren, deren Fassung infolge der Verglasungder Nischen fast durchwegs vorzüglich erhalten ist, machen ungefähr den Eindruck derspanischen Prozessionsplastiken 41). Es handelt sich also auch bei ihnen nicht um Werkegroßer Meister, nicht um Werke, die man sei es anhand von Signaturen, sei es auf demWeg der Stilanalyse Meistern der Persönlichkeitskunst zuschreiben könnte, sondern umArbeiten gediegener Handwerker, von denen uns nichts, kein Name, keine Signatur,keine Datierung irgendein in dieser Richtung weiterführendes Zeugnis an die Hand gebenwürde. Es steht bei ihnen genauso wie bei den Bildern in der Klosterapotheke, also denChristus in der Apotheke" und dem Kleidersuchenden Christus", die gleichfalls keine

36) Gugitz, wie oben, Bd. I, S. 26, 29.

37) Alfred Missong, wie oben Anm. 27, S. 89.

38) Missong, ebendort, S. 82 f.

Gugitz, wie oben, Bd. I, S. 38.

39) Vitrine 17.

46) Missong, wie oben, S. 129 f.

41) José Gudio 1, Die Kunst Spaniens. Übersetzt von Wolf- Dieter Bach. München und Zürich1964. S. 248 ff.

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