Franz von Sales und die hl. Angela Merici, die Gründerin des Ursulinenordens. Im drittenStock finden sich die hl. Maria Magdalena, die hl. Ottilie, dann liegend die hl. Rosalia,und wieder stehend die Heiligen Petrus von Alcantara, Katharina von Siena und ein nichtzu identifizierender Jesuit. Nicht mehr in der originalen Aufstellung sind die Plastikender Heiligen Kasimir, Ursula, Barbara, Michael und Karl Borromäus untergebracht, außerdiesen gehört zu den einzeln aufgestellten Figuren noch ein Standbild Christi als GuterHirt mit gemalter Landschaftsszenerie und darin dargestellten Schafen. Und ferner findensich im Bestand der Nischenskulpturen noch fünf mehrfigurige Gruppen, zwar auch voll-plastisch ausgeführt, aber reliefartig komponiert, nämlich die Heiligen Antonius vonPadua, Katharina bei der Szene der mystischen Hochzeit mit dem Jesuskund, Peregrinus,der sitzt und dessen Fuß geheilt wird, die Heilige Familie auf der Wanderschaft, sowieein Gekreuzigter mit knieender Magdalena.
Dieser an sich schon sehr umfangreiche Bestand wird noch durch mehrere weitereHolzbildwerke vergrößert, die der Betrachtung des Leidens Christi gewidmet sind; auchsie waren in den Gängen des Konventsgebäudes aufgestellt. Es handelt sich dabei umChristus im Kerker, an der Geißelsäule, und zwar in einem kleinen, als Kerker gestaltetenRaum, zugänglich aus einem Gang im ersten Stock. Dann eine schmerzhafte Madonnamit dem Schmerzensschwert in der Brust, ferner um einen Ölberg, eine mehrfigurige, fastlebensgroße Gruppe und eine weitere Schmerzhafte Madonna mit plastischen Tränen undschwertdurchbohrter Brust vor einem Kreuz mit den Leidenswerkzeugen sitzend.
Diese reiche Fülle der nur der Betrachtung durch die Klosterfrauen dienenden An-dachtsplastiken ist wohl in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden. Die Aus-wahl der Heiligen beweist wieder den starken Einfluß des Jesuitenordens auf die klöster-liche Frömmigkeit.
Das gilt zunächst und in besonderem Ausmaß für die Heiligen des Jesuitenordensselbst, die ja in verschiedenen Landschaften in ganz verschiedenem Ausmaß verehrt wur-den. Hier liegt jedenfalls durch die aufgestellte Plastik ein Zeugnis für die Verehrungdes Ordensgründers, des hl. Ignaz von Loyola( 1491- 1556) vor. In Wien wurde erselbstverständlich in der Kirche der neun Chöre der Engel, die 1554 den Jesuiten über-geben worden war, verehrt 32). Sein ungleich volksbekannterer Ordensgenosse, der hl. FranzXaver( 15061552), der als Nischenplastik des Ursulinenklosters wie so oft alsSterbender auf der Insel Sancian dargestellt erscheint, genoß in Wien außer in den vonden Jesuiten betreuten Kirchen, also der Annakirche, der Kirche am Hof sowie in derJesuitenkirche eine besondere Verehrung in Hütteldorf, wo bemerkenswerterweise eineKopie des Gnadenbildes der großen Franz Xaver- Wallfahrt von Strasse bei Oberburgin der Untersteiermark wallfahrtsmäßig besucht wurde 83). Der dritte große Spanier unterden Jesuitenheiligen Franz de Borgia( 1510- 1572) stand zu Wien in einer merkwürdi-gen kultischen Verbindung. Er besaß als Vizekönig von Katalonien eine Kopie einesLukas- Madonnenbildes, also die Wiederholung des Gnadenbildes von Maria Maggiorein Rom 34). Von ihm gelangte das Bild an die Königin Elisabeth, die es 1592 ihrer Grün-dung, dem Königskloster in Wien vermachte. Von dort gelangte das Bild bei der Auf-hebung des Klosters 1782 in die Augustinerkirche, wo es sich über dem Tabernakel desHochaltares befindet. Das gleiche Königskloster, ein Klarissinnenkloster, war für dieVolksfrömmigkeit Wiens überhaupt sehr wichtig; eines seiner bekanntesten Gnadenbilder,das sitzende Jesuskind mit der Taube, ist zwar nach der Klosteraufhebung verschwunden;eine Devotionalkopie in Gemäldeform befindet sich jedoch heute in unserer SammlungReligiöse Volkskunst 35).
32) Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Bd. I: Wien. Wien 1955, S. 27.33) Gugitz, ebendort, S. 86.
34) Gugitz, Bd. I, ebendort, S. 19.
35) Katalog Nr. 1.
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