Goldberghaus enthielt eine den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweihte Kapelle. 16)Daneben steht schließlich das künstlerisch vielleicht bedeutendste Gebäude der Johan-nesgasse, das Savoyische Damenstift. 1770 ist dieses„ entzückende Juwel der wiene-rischen Blüte des Spätbarock" 17) als Palais der Herzogin Theresia von Savoyen- Cari-gnan, einer geborenen Prinzessin Liechtenstein, errichtet worden. Der merkwürdigerweiseunbekannt gebliebene Architekt hat ein in vieler Hinsicht wohl italienisch angeregtesGebäude geschaffen, dessen Fassade durch ihren reichen plastischen Schmuck auffällt.In der Mittelnische des ersten Stockwerkes steht eine bleigegossene Figur der Imma-culata, der unbefleckten Empfängnis, die von dem großen schwäbischen, in Wien hei-misch gewordenen Plastiker der theresianischen Zeit, Franz Xaver Messerschmidt( 1736bis 1783) stammt. 18) Das nach dem Tod der Herzogin Theresia von Savoyen- Carignanals Damenstift dienende Palais enthält zwei Höfe, einen kleinen Durchgangshof, undnach dem zweiten Trakt einen großen Innenhof, der einen geradezu römischen Platz-Eindruck hinterläßt. Der so ziemlich quadratische Hof wird von einer zwei Stockwerkehohen fensterlosen Wand rückwärts begrenzt, die ein großzügiges freilich stark ver-blaẞtes Fresko aufweist. Die Felder dieser Wand umrahmen im wesentlichen den Haupt-schmuck des Hofes, die Brunnenanlage. Zwei Löwen bewachen das Brunnenbecken,über dem eine zierlich- kräftige Frauengestalt aus der Wand zu treten scheint, die tiefihren Krug zum Brunnen senkt. Der darüber angebrachte Bibelvers belehrt, daß es sichum die Witwe von Sarepta handelt, die einstmals( 1. Buch der Könige, 17, 9- 16) denPropheten Elias speiste und tränkte, worauf„ von dem Tage an ihr Mehltopf nichtabnahm und ihr Ölkrug nicht leerer wurde, nach dem Worte des Herrn, das er gespro-chen zu Elias." Diese von Gott durch seinen Propheten also getröstete Witwe vonSarepta ist, wie sie hier an der Brunnenwand des Savoyschen Damenstiftes steht, eineSchöpfung von Johann Martin Fischer. Durch sein Werk wird dieser der Allgemeinheitganz unbekannte Hof in der Johannesgasse dem bei weitem berühmteren im Alten Rat-haus mit dem Andromeda- Brunnen von Georg Raffael Donner 19) durchaus ebenbürtig,
Tritt man aus dem Portal des Savoyischen Damenstiftes wieder heraus, so stehtman nun sozusagen endgültig vor dem gewaltigen geistlichen Abschluß der Johannes-gasse der Seilerstätte zu, eben dem Ursulinenkloster. 20) Die Dreiteiligkeit der mächtigenAnlage springt sofort in die Augen: An der Ecke der Seilerstätte der einheitliche drei-geschossige Trakt mit dem hohen Erdgeschoß; das Portal auch von einer Nischen-plastik überhöht, in diesem Falle selbstverständlich einer bewegten Figur der hl. Ursula.Dann die Klosterkirche, deren Größe infolge des Eingeschobenseins des Baues in dieGesamtanlage zunächst gar nicht zum Bewußtsein kommt. Es folgt die lange, ruhigeFront des Wirtschaftsteiles mit dem Zellentrakt. Den einzigen bescheidenen Schmuckdieser beinahe abweisenden langen Front mit den kleinen vergitterten Fenstern bildetdas Relief über der Pforte, das die hl. Ursula gegenüber dem hl. Augustinus darstellt.Ein letztes kleines Tor, knapp neben dem Hofkammerarchiv, dient heute als Eingangin die Sammlung Religiöse Volkskunst. Bei seiner Einfügung die nur eine Neu-gestaltung eines alten, an dieser Stelle befindlichen, längst sehr unansehnlich gewor-
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16) Die Literatur darüber bei Gustav Gugitz, Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde vonWien. Bd. III, Wien 1956, D. 345.
17) Baldaß, Wien, S. 175.
18) Albert 11g, Franz Xaver Messerschmidts Leben und Werk. Leipzig und Prag 1885.Weitere Literatur bei Maria Malikova, Die Porträtplastik von Franz Xaver Messerschmidt( Mit-teilungen der Österreichischen Galerie, Bd. 9, Wien 1965, Nr. 53, S. 25 f.)
19) Kurt Blauensteiner, Georg Raphael Donner(= Sammlung Schroll, o. Nr.) Wien 1944,S. 44 f. und Abb. 94, 95.
20) Jubiläumsschrift: Zwei Jahrhunderte des Ursulinenklosters in Wien. 1660 bis 1860. Wien 1860.
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