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Sammlung religiöse Volkskunst mit der alten Klosterapotheke im ehemaligen Wiener Ursulinenkloster : Katalog
Entstehung
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ten Sammlungen zur religiösen Volkskunde in München 5) wie in Nürnberg*) besteht,mußte für die Wiener Sammlung doch noch ein eigenes Konzept erarbeitet werden.Handelt es sich doch um eine Schausammlung in einem bedeutenden Kloster im Inner-sten Wiens, die vielleicht unter anderem auch dazu berufen sein mag, dieses geistlicheWien" etwas zu interpretieren: Wenn der Besucher nach der letzten, der Johannes- Vitrine,wieder auf die Johannesgasse hinaustritt, wird er vielleicht besser als bisher verstehen ,,in welchen geistigen Zusammenhängen dies alles einmal gelebt hat.

Diese Zusammenhänge lassen sich zu nicht geringen Teilen verstehen und nach-fühlen, wenn man sich wenigstens in Form eines knappen Überblickes dieser Johannes-gasse, ihrer Geschichte und ihrer Erscheinung im Stadtbild widmet. Es handelt sich umeine Gasse ohne bürgerliche Wohnhäuser, es gab und gibt hier so gut wie nur Kirchen,Ordenshäuser, Klosterhöfe und Paläste. Nur wo das 19. Jahrhundert in die alten Zeitenbrutal ein Loch hineingeschlagen hat, etwa um einen Gassendurchbruch vorzubereitender dann schließlich doch nicht durchgeführt wurde- dort stehen jüngere profane

Bauten in den Lücken.

Das ganze Quartier, die vier Seitengassen der Kärntnerstraße nach der Seilerstättezu, auffällig gerade schmale Parallelgassen, stehen auf dem Boden der Stadterweiterungzu Ende des 12. Jahrhunderts. 7) Damals, nach der Gründung von Wiener Neustadt,im Zuge der Schaffung einer Fernstraße von Wien über diese babenbergische Neugrün-dung nach der eben auch zu Österreich gekommenen Steiermark und weiterhin nachKärnten, damals wurde dieses geplante Stück mittelalterlicher Stadt geschaffen. Zu denersten Grunderwerbern an der Kärntnerstraße gehörten die Johanniter, die Brüder vomHospital an der Kirche des hl. Johannes in Jerusalem. 8) Sie schufen sich schon wenigeJahrzehnte nach ihrer Gründung allenthalben weitere Sitze, im Jahr 1200 erwarbensie an der Stelle der heute noch stehenden Johanneskirche in der Kärntnerstraße unddes danebenstehenden Kommendehauses den Grund für ihr Spital in Wien. 9) Der ersteBau ihrer Kirche ist 1265 zu Ehren des hl. Johannes des Täufers geweiht worden. Derheute noch stehende gotische Kirchenbau ist im 14. Jahrhundert entstanden. 10) Die ein-schiffige Kirche mit ihrem dreijochigen Langhaus steckt zwischen den Häusern derKärntnerstraße, man muß in der Johannesgasse in den Hof des ehemaligen Kommende-hauses hineingehen, um dort den gotischen Chor noch zu sehen. Man erlebt dabei dieerste, aber nicht die letzte Überraschung in einem solchen Hof eines Hauses in derJohannesgasse. Der große ruhige Baublock dieses Malteser- Kommendehauses stammt ausdem Biedermeier. An dem zurückgesetzten untermittelmäßigen Bau des Konservatoriumsder Stadt Wien vorbei kommt man wieder zu einem stattlichen Haus aus dem frühen19. Jahrhundert. Der 1843 von dem damaligen Hofarchitekten Paul Sprenger errich-tete Bau enthält das Hofkammerarchiv, eine auch kultur- und wirtschaftsgeschichtlichsehr wichtige Stätte. 11) Berühmt ist sie freilich vor allem dadurch, daß der große öster-

5) Religiöse Volkskunde. Fünf Vorträge zur Eröffnung der Sammlung für religiöse Volkskunde imBayerischen Nationalmuseum in München(= Beiträge zur Volkstumsforschung, Bd. XIV) München 1964.6) Zeugnisse religiösen Volksglaubens. Aus der Sammlung Erwin Richter(= Bildhefte des Ger-manischen Nationalmuseums, Nr. 2) Nürnberg 1965.

7) Adalbert Klaar, Der mittelalterliche Wiener Stadtgrundriß( in: Friedrich Walter, Wien. DieGeschichte einer deutschen Großstadt an der Grenze. Bd. I, Wien 1940, S. 267 ff.)

derselbe, Die mittelalterlichen Siedlungsformen im Wiener Stadtgrundriß( in: Richard KurtDonin, Geschichte der bildenden Kunst in Wien. Bd. I, Wien 1944, S. 213 ff.)

8) Adolf Waas, Geschichte der Kreuzzüge in zwei Bänden. Bd. II, Freiburg 1956, S. 40 f.9) Afred von Baldaß, Wien. Ein Führer durch die Stadt und ihre Umgebung. 5. Aufl. Wien1929, S. 176 f.10) Richard Kurt Donin, Geschichte der bildenden Kunst in Wien. Bd. II, Gotik, Wien 1955,S. 55.

11) Baldaß, Wien, S. 175.

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